Chancenlos: Keine Behandlung hätte Schiavos Zustand verbessern können
- Autopsie zeigt extreme Schädigung des Gehirns
- Komapatientin wurde auch nicht misshandelt
Das Gehirn der im März nach 13-tägigem Ernährungsstopp gestorbenen US-Komapatientin Terri Schiavo war so schwer geschädigt, dass keine Behandlung ihren Zustand hätte verbessern können. Es gibt außerdem keinerlei Anzeichen dafür, dass ihr Ehemann sie misshandelte und dadurch ihre Erkrankung verursachte. Das sind die beiden Kernpunkte eines Autopsieberichts, den der zuständige Gerichtsmediziner - rund zweieinhalb Monate nach dem Tod der 41-Jährigen - in Largo (Florida) veröffentlichte.
Der Fall Schiavo hatte nicht nur in den USA, sondern international eine leidenschaftliche Debatte über Sterberecht und Sterbehilfe ausgelöst. Die Amerikanerin war nach einem plötzlichen Zusammenbruch im Jahr 1990 in ein so genanntes Wachkoma verfallen und seitdem über eine Magensonde künstlich ernährt worden. Mitte März hatte ihr Ehemann Michael nach langjährigem erbitterten Streit mit den Eltern der Kranken, Bob und Mary Schindler, eine Einstellung der Ernährung durchgesetzt, was am 31. März zum Tod der 41-Jährigen führte.
Die Autopsie war auf Wunsch von Michael Schiavo durchgeführt worden, der damit unter anderem den von den Eltern geäußerten Verdacht entkräften wollte, er habe den Zusammenbruch seiner Frau durch Schläge herbeigeführt. Vater und Mutter Schindler hatten zudem die Überzeugung geäußert, dass ihre Tochter nicht so krank sei wie es von ihrem Schwiegersohn und im Zuge des Streits von Gerichten eingeschalteten medizinischen Gutachtern dargestellt wurde. Die Möglichkeit einer Verbesserung des Zustands war auch das Hauptargument der Eltern in ihrem verzweifeltem Kampf gegen eine Einstellung der Nahrungszufuhr gewesen.
Michael Schiavos Anwalt George Felos sagte vor Journalisten, sein Mandant sehe sich durch die "harten wissenschaftlichen Fakten" im Autopsiebericht in allen Punkten bestätigt. Felos kündigte zugleich für die nahe Zukunft die Veröffentlichung mehrerer Gehirn-Obduktionsfotos an, die klar zeigten, wie groß das Ausmaß der Schädigung gewesen sei.
Eltern glauben weiter an mögliche Behandlung
Der Rechtsvertreter der Schindlers, David Gibb, erklärte, die Eltern blieben bei ihrer Auffassung, dass sich der Zustand ihrer Tochter durch eine angemessene Behandlung hätte verbessern können. Es blieben weiter unbeantwortete Fragen, sagte der Anwalt, der nicht näher beschriebene rechtliche Schritte der Eltern nicht ausschloss.
Gerichtsmediziner Jon Thogmartin bestätigte bei der Vorlage seines Autopsieberichts, dass Terri Schiavo so massiv hirngeschädigt war, dass keine Behandlung - "was und wie viel auch immer" - genützt hätte. "Ihr Gehirn war hochgradig verkümmert." Nach Angaben des Spezialisten wog das Gehirn der jungen Frau nur rund die Hälfte von dem, "was man allgemein von einem menschlichen Gehirn erwartet". Thogmartin teilte auch mit, dass Terri Schiavo, die während ihres Komas oft die Augen geöffnet hatte, "völlig blind war".
Was zum Zusammenbruch und damit zum Gehirnschaden der jungen Frau führte, konnte dem Mediziner zufolge durch die Autopsie nicht geklärt werden. Ursprünglich war ein "chemisches Ungleichgewicht" - konkret Kaliummangel als Folge einer Essstörung - vermutet worden. Thogmartin äußerte Zweifel an dieser Theorie. Ganz sicher war er sich dagegen, dass der Körper der Kranken seinerzeit - bei einer ersten Untersuchung kurz nach dem Zusammenbruch und nun auch bei der Autopsie - keinerlei Zeichen einer Gewaltanwendung wie Knochenbrüche oder Würgemale aufwies.
Terri Schiavo war nach 13 Tagen ohne Flüssigkeits- und Nahrungszufuhr schließlich an Austrocknung gestorben, bestätigte der Mediziner weiter. "Es war kein Hungertod." (apa/red)
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