Dienstag, 14. Juni 2005

Geisel-Befreiung war 'gefährliche Aktion': Die Französin war im Irak gefasst worden

  • Reporter ohne Grenzen: Für Geisel Lösegeld bezahlt
  • Regierung schweigt zu Umständen der Freilassung

Die Befreiung der französischen Journalistin Florence Aubenas aus ihrer Geiselhaft im Irak war nach Angaben der französischen Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie "eine lange, schwierige und gefährliche Aktion". Französische Geheimdienstbeamte hätten die Geisel "unter sehr gefährlichen Umständen" in Empfang genommen, sagte die Ministerin am Dienstag.

Bestimmte Informationen müssten allerdings geheim bleiben, "weil wir sonst in ähnlichen Fällen nicht mehr wirkungsvoll eingreifen könnten".

Die 44 Jahre alte Reporterin der Zeitung "Libération" war am vergangenen Samstag nach 157 Tagen Geiselhaft freigelassen worden.

Für die Freilassung von Aubenas aus irakischer Geiselhaft ist nach Einschätzung der Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) Lösegeld gezahlt worden. Auf die Versicherung von Ex-Außenminister Michel Barnier, es habe keine Lösegeldzahlung gegeben, antwortete RSF-Generalsekretär Robert Ménard am Montagabend im Fernsehsender Canal plus: "Jeder weiß, dass das nicht wahr ist." Allerdings sei er auch "überhaupt nicht schockiert, dass ein Lösegeld gezahlt wird".

Es sei die Rolle des Ex-Außenministers, der die Freilassung Aubenas' über Monate vorbereitet hatte, eine Lösegeldzahlung zu bestreiten. "Ich kenne keine Geiselnahme, bei der kein Lösegeld gezahlt wird", sagte Ménard. Wenn es keine "Gegenleistungen" gegeben hätte, wären Aubenas und ihr irakischer Übersetzer Hussein Hanun nicht freigekommen, sagte der RSF-Generalsekretär weiter.

"Ich habe gesagt, dass es kein Lösegeld und keine Gegenleistungen gegeben hat", hielt Barnier dagegen. "Ich kann sagen, dass es viele Anstrengungen und viel Energie gekostet hat." Auch Barniers Nachfolger Philippe Douste-Blazy hatte die Zahlung eines Lösegeldes bestritten.

Aubenas lebte monatelang zusammengekauert im Keller
Die "Libération"-Reporterin Florence Aubenas und ihr irakischer Übersetzer Hussein Hanun haben die Monate ihrer Geiselhaft im Irak zusammengekauert in einem Keller verbracht. Kurz vor ihrer Freilassung am Samstag habe sie sich erstmals seit der Entführung am 5. Jänner auf einen Stuhl setzen können, sagte Aubenas in einer ersten Schilderung ihrer Geiselhaft, die am Dienstag von der "Libération" veröffentlicht wurde.

Bei der Freilassung seien ihr alle Papiere zurückgegeben worden, die Geiselnehmer hätten ihr zwei Ringe und ein Fläschchen Parfüm geschenkt, fügte die 44-Jährige hinzu. Hanun sagte der Tageszeitung "Le Monde", bei den Geiselnehmern habe es sich um Sunniten gehandelt, die "gegen die amerikanische Besatzung" ihres Landes seien.
(apa/red)

14.6.2005 13:37