Dienstag, 14. Juni 2005

Ein blutiger Tag für den Irak: Mindestens
30 Menschen bei Anschlägen getötet!

  • Angriff auf Kontrollpunkt. 18 Tote bei Attentat in Kirkuk
  • Drei mutmaßliche Terroristen in Deutschland verhaftet

Bei zwei blutigen Anschlägen im Irak sind am Dienstag rund 30 Menschen getötet worden. In der nordirakischen Stadt Kirkuk wurden bei einem Bombenanschlag vor einer Bank mindestens 20 Menschen getötet. 83 weitere wurden verletzt, 16 von ihnen schwer, wie die Polizei mitteilte. Der Sprengsatz explodierte demnach in einem vor der Bank deponierten Karren, als dort zahlreiche Menschen auf die Auszahlung ihrer Löhne und Pensionen warteten.

Unter den Toten waren Pensionisten und Kinder, die als Straßenverkäufer arbeiteten, wie die Polizei mitteilte. Die Bombe im Zentrum von Kirkuk explodierte in der Nähe einer Fußgängerbrücke, auf der und unter der mehrere Kinder Süßigkeiten und Küchenutensilien verkauften, wie Polizeisprecher Shiras Mohammed berichtete. Mindestens zwei Fahrzeuge gingen in Flammen auf.

In der 60 Kilometer nördlich von Bagdad gelegenen Ortschaft Kenaan starben bei der Explosion einer Autobombe auf einem Markt im Stadtzentrum mindestens zehn Menschen, unter ihnen zwei Kinder. Sieben weitere Menschen wurden nach Angaben der irakischen Armee verletzt. Die Bombe sei beim Vorbeifahren einer Polizeipatrouille detoniert. Unter den Toten befanden sich auch fünf irakische Soldaten, deren Einheit nach einem Granaten-Angriff auf die örtliche Polizeistation als Verstärkung nach Kenaan gerufen worden war.

Einer der blutigsten Anschläge seit Husseins Sturz
Der Anschlag in Kirkuk sei einer der blutigsten Anschläge seit dem Sturz von Saddam Hussein im April 2003, sagte Polizeichef Turhan Yussef. Kirkuk ist das Zentrum der irakischen Ölindustrie. In der Stadt kommt es immer wieder zu Spannungen zwischen den arabischen, kurdischen und türkischen Bewohnern.

Der Vorsitzende der Kurdischen Demokratischen Partei (KDP), Massud Barzani, wurde unterdessen als erster Präsident der drei kurdischen Provinzen im Nordirak vereidigt. Das kurdische Parlament mit Sitz in Arbil hatte ihn am vergangenen Donnerstag zum Präsidenten gewählt. Seine Amtszeit dauert vier Jahre, eine Wiederwahl ist möglich. Barzani betonte bei der Feierstunde, die wegen heftiger Sandstürme um einige Tage verschoben worden war, der kurdische Nordirak werde ein Teil des Irak bleiben. US-Präsident George W. Bush gratulierte nach Angaben der Kurden-Parteien telefonisch.

24 Leichen gefunden
Inzwischen fand die Polizei die Leichen von 24 im Westen des Irak getöteten Männern. Sie wurden in ein Krankenhaus in Bagdad gebracht. Einige wurden enthauptet, anderen war in den Kopf geschossen worden. 17 Opfer seien nahe der Stadt Khadijah rund 120 Kilometer westlich von Bagdad gefunden worden, sagte ein Krankenhausmitarbeiter. Der Arzt Mohammed Yawad erklärte, es könne sich um die Leichen von Männern handeln, die vermisst würden, seit ihr Konvoi mit Versorgungsgütern für die US-Armee am Donnerstag in einen Hinterhalt geraten war. Ein Opfer sei ein irakischer Polizist, bei einem zweiten handle es sich um einen Dolmetscher. Die sieben anderen Leichen seien bereits stark verwest.

Deutschland: Drei Iraker festgenommen
Unterdessen wurden in Deutschland drei Iraker wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung festgenommen. Wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mitteilte, sollen die drei in Nürnberg, München und Bühl wohnenden Männer im Alter zwischen 33 und 43 Jahren die terroristische Vereinigung Ansar al-Islam mit Geld unterstützt haben.

(apa/red)

14.6.2005 14:34