Montag, 13. Juni 2005

Dritte Wahlrunde der Parlamentswahl im Libanon: Anti-syrische Gruppen dominieren

  • Parlament erstmals seit Bürgerkrieg von Syrien-Gegnern besetz? Wahl endet mit Abstimmung im Norden

Bei der dritten und wichtigsten Runde der Parlamentswahl im Libanon hat sich am Sonntag ein Erfolg rivalisierender anti-syrischer Gruppen abgezeichnet. Im zentralen Bergland setzte sich nach ersten Teil-Ergebnissen die Liste des ehemaligen Generals Michel Aoun gegen andere Christen-Gruppen durch. Zugleich gewann Aouns schärfster Konkurrent, Drusen-Chef Walid Joumblat, einige Sitze dazu.

Das neue Parlament könnte damit erstmals seit dem Bürgerkrieg von 1975 bis 1990 mehrheitlich aus anti-syrischen Politikern bestehen. Syrien war bis zum Abzug der Truppen vor wenigen Wochen die Ordnungsmacht im Nachbarland Libanon.

Nach den Abstimmungen in der Hauptstadt Beirut sowie im schiitisch geprägten Süden des Landes waren zur dritten Runde rund 1,25 Millionen Wähler aufgerufen, 58 und damit fast die Hälfte der 128 Sitze im Abgeordnetenhaus zu besetzen. Die Beteiligung im Zentrum und Osten des Landes lag nach Angaben des Innenministeriums bei mehr als 50 Prozent.

Die beiden bisherigen Teilwahlen waren ohne Überraschungen ausgegangen. In Beirut sicherte sich der Sohn des ermordeten anti- syrischen Oppositionsführers Rafik al-Hariri mit seiner Sunniten- Liste alle Sitze, im Südlibanon die pro-syrischen Schiiten-Gruppen Amal ("Hoffnung") und Hisbollah ("Partei Gottes"). Die Wahl endet mit der Abstimmung im Norden des Landes am kommenden Sonntag. Es ist seit mehr als 30 Jahren der erste Urnengang, ohne dass syrische Truppen im Libanon stationiert sind.

Obwohl die pro-syrische Allianz um die Hisbollah weitere Sitze hinzugewinnen wird, dürften die Mehrheit im neuen Parlament jedoch letztlich anti-syrische Gruppen stellen, die untereinander allerdings heftig zerstritten sind.

(apa/red)

13.6.2005 07:58