Sonntag, 19. Juni 2005

Pech für Häftlinge in NÖ: Ausbruch aus Haftanstalt wurde gerade noch verhindert!

  • BILDER: Beamte entdeckten Tunnel, Werkzeug & Plan
  • Justizgewerkschaft fordert Aufstockung des Personals

Nach dem vereitelten Ausbruch aus der Justizanstalt verdichten sich die Verdachtsmomente bezüglich der Drahtzieher: Vermutet wird laut Justizministerium, dass der Ausbruch von georgischen Häftlingen geplant wurde. Allerdings: Den Justizbehörden fehlen bisher noch die Beweise. Sicher ist, dass die Sträflinge Hilfe von "draußen" hatten. Der in der Nacht auf Samstag entdeckte Tunnel unter der Außenmauer der Anstalt beim Triestingbach wurde laut Justizministerium auch von außen gegraben.

Die Einvernahmen gingen unterdessen auch am Sonntag weiter. Die mutmaßlichen Drahtzieher des Ausbruchsversuchs deponierten Werkzeug für Grabungsarbeiten bei Mithäftlingen. Unsicher sei auch, ob die Häftlinge, die für den Ausbruchsversuch in Hirtenberg in Frage kommen, mit jenen Georgiern in Verbindung stehen, die sich am Freitag aus der Anstalt in Ried im Innkreis abgeseilt hatten.

Die Flucht aus Hirtenberg war in der Nacht aus Samstag vereitelt worden. Nach Angaben des Justizministeriums entdeckte ein Justizwachebeamter unter der Außenmauer der Anstalt im Bereich des Triestingbaches den Tunnel mit einem Durchmesser von 50 Zentimetern. Damit wurde eine Flucht in größerem Ausmaß gerade noch verhindert.

Die Justizanstalt Hirtenberg löste stillen Alarm aus. Es wurden Ausbruchswerkzeug und ein Plan für die Flucht sichergestellt. Insgesamt 150 Justizwachebeamte waren im Einsatz. Bei einer genauen Kontrolle jedes Haftraumes wurden mehrere unerlaubte Gegenstände - wie etwa Mobiltelefone - gefunden und den betreffenden Häftlingen abgenommen.

Wie das Justizministerium mitteilte, war davon auszugehen, dass auch im Innenbereich der Justizanstalt bereits Vorarbeiten für einen Ausbruch im Gange gewesen waren. Aus diesem Grund wurden im Rahmen eines österreichweiten Alarmierungssystems Einsatzgruppen aus 15 Justizanstalten in Wien, NÖ und der Steiermark verständigt.

"Wir haben uns entgegen den üblichen Usancen des Justizministeriums entschlossen, den Erfolg einer unserer vielen erfolgreichen Aktionen zu veröffentlichen, damit die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes sehen, mit welchem Einsatz die Justizwache für die Sicherheit in Österreich arbeitet", betonte Justizministerin Karin Miklautsch (B).

Gewerkschaft fordert Aufstockung des Wachpersonals
Karl Aichinger, stellvertretender Vorsitzender der Justizgewerkschaft, forderte angesichts der Ausbruchserie eine Aufstockung des Wachpersonals, um die Sicherheit in den heimischen Gefängnissen garantieren zu können. Verbesserte technische Einrichtungen allein wären zu wenig, sagte Aichinger am Samstag im ORF-"Ö1 Mittagsjournal": "Eine Kamera kann sehen, aber nicht hören. Eine technische Einrichtung hört nicht, wo gegraben wird und wo gesägt wird."

Während bei baulichen und technischen Sicherheitsmaßnahmen nicht unbedingt gegeizt wird - laut Justizministerium wurden heuer für entsprechende Adaptierungen bereits 3,7 Millionen Euro ausgegeben -, gibt es laut Gewerkschaft österreichweit um mindestens 700 Justizwachebeamte zu wenig. Bei einem Häftlingsstand von 7.000 standen vor fünf Jahren noch 3.300 Beamte zur Verfügung. Heuer sind es laut Gewerkschaft bei rund 9.000 Häftlingen knapp 3.000.

Drei Ausbrüche in der Vorwoche
In der Vorwoche gab es insgesamt drei "erfolgreiche" Ausbrüche, bevor am Samstag der Plan in Hirtenberg aufflog: Am vergangenen Sonntag flüchtete ein 31-jähriger Rumäne über die Mauer der Strafanstalt St. Pölten. Am Mittwoch schüttete ein verurteilter krebskranker Bankräuber, der in Stein einsaß, im Krankenhaus Lainz in Wien seinem Wachmann Valium in den Kaffee und gab Fersengeld. Am Freitag sägten zwei Georgier in Ried im Innkreis die Gitterstäbe ihrer Zelle durch und seilten sich mit Leintüchern ab.(apa/red)

19.6.2005 12:26