Donnerstag, 16. Juni 2005

Auf der Flucht: Krebskrankem Stein-
Häftling gelingt Ausbruch bei Therapie

  • Wachmann wurde Valium in den Kaffee geschüttet
  • Heuer 14 Insassen von Justizanstalten entwichen

Von dem aus dem Krankenhaus Lainz in Wien geflüchteten krebskranken Häftling fehlte nach Behördenangaben weiter jede Spur. Der 55-jährige Deutsche hatte einen Justizwachebeamten vermutlich durch Valium betäubt und sich davongemacht. Es handelt sich um den 14. entwichenen Häftling in diesem Jahr.

Zunächst war man noch bemüht, von dem betäubten Beamten Details zur Flucht des Mannes zu erfahren, der wegen mehrerer Banküberfälle zu 14 Jahren Haft verurteilt worden war und bis 2009 hätten "sitzen" sollen. Der Deutsche war routinemäßig zur Behandlung in Lainz.

In Österreich sind heuer nach Angaben des Justizministeriums 14 Häftlinge entwichen und acht ausgebrochen. Der jüngste Ausbruch ereignete sich erst am Sonntag in St. Pölten, wo zwei Rumänen, als mutmaßliche Bankräuber in U-Haft, mit Hilfe von Komplizen von außen, einer Leiter und eines Seiles die Mauer der Justizanstalt überwanden. Einer von ihnen wurde nach kurzer Zeit gefasst.

Die Zahl der Ausbrüche war in den vergangenen Jahren - bei steigenden Häftlingszahlen - konstant niedrig: Zwölf im vergangenen Jahr, acht im Jahr zuvor, 2002 waren es überhaupt nur vier, 2001 gab es sieben Ausbrecher, um einen weniger als im Jahr 2000. Zum Vergleich: Im "Spitzenjahr" 1994 brachen 52 Häftlinge aus.

Sozusagen traditionell höher ist die Zahl der entwichenen Häftlinge - also solcher, die für ihre Flucht nicht Mauern überwinden oder Gitterstäbe durchsägen müssen, sondern etwa bei einem Haftausgang einen WC-Besuch nützen, um sich heimlich zu verabschieden oder bei Außenarbeiten mit einem Traktor illegal abbiegen. 2004 sind laut Justizministerium 29 Häftlinge entwichen, 2003 waren es 38, um zehn weniger als im Jahr zuvor, 2001 genau 40 und 41 im Jahr 2000. (apa/red)

16.6.2005 11:55