Nach Raubüberfall auf Grazer Wettcafé: Suspendierter Gendarm wurde verhaftet
- Vorwürfe: Veruntreuung, Betrug und Körperverletzung
- 47-Jähriger ist psychisch labil und hat die Tat gestanden
Ein suspendierter Gendarm ist am vergangenen Wochenende von der Grazer Polizei verhaftet worden. Neben einem Raubüberfall auf ein Wettcafe Ende Mai diesen Jahres wird dem 47-jährigen Beamten auch Veruntreuung, schwerer gewerbsmäßiger Betrug und Körperverletzung angelastet. Der Steirer zeigte sich geständig. Er wurde in die Justizanstalt Graz-Jakomini eingeliefert.
Vor rund zwei Wochen hatte ein vorerst unbekannter Mann ein Wettcafe am Grazer Lendplatz überfallen. Der Räuber bedrohte die 23-jährige Kellnerin mit einem Spezialmesser ("Leatherman"), wie es zur Ausstattung der Exekutivbeamten gehört, und flüchtete mit rund 1.400 Euro. Wegen der Fingerabdrücke und der Bilder aus der Überwachungskamera geriet der 47-jährige, der zuletzt am Posten Seiersberg Dienst gemacht hatte, bereits kurze Zeit nach dem Überfall als Tatverdächtiger ins Visier der Ermittler. Da war der Mann allerdings bereits untergetaucht.
Dagobert S., der drei gescheiterte Ehen hinter sich hat und für zwei Kinder unterhaltspflichtig ist, war im Februar diesen Jahres vom Dienst suspendiert worden, weil er unter dem Verdacht stand, die Posten- und Sportkassa, die ihm anvertraut war, um rund 5.000 Euro erleichtert zu haben. Bereits im Herbst des Vorjahres, nachdem seine letzte Beziehung in die Brüche gegangen war, war der 47-Jährige "auffällig" geworden, allerdings nicht im strafrechtlichen Sinn. Ende März bzw. Anfang April wurde der Gendarm für einen Monat in die Siegmund Freud Klinik eingewiesen. Er hatte seinen Selbstmord angekündigt.
Von den Kollegen wird der 47-Jährige als beliebt beschrieben. "Er war ein qualifizierter Beamter", berichtete Ermittler Alois Gider von der Raubgruppe der Grazer Polizei. Allerdings gilt er als krankhaft eifersüchtig, was der Tatverdächtige auch bestätigt. "Das hat in den Beziehungen immer wieder zu Spannungen geführt", so der Ermittler. So soll er mehrmals seine Lebensgefährtin und deren Freundin bedroht haben. In einem Fall soll es einen außergerichtlichen Tatausgleich gegeben haben.
Am Sonntagnachmittag konnte der 47-Jährige schließlich in einem Hotel in Graz-Eggenberg verhaftet werden. Dort hatte er sich, wie auch in acht anderen Fällen vorher, unter Betrugsabsicht unter falschem Namen eingetragen. Dieses Mal gab er sich als Kripo-Beamter aus Linz aus und täuschte vor, zum Ermittlerteam im Fall der vier getöteten Neugeborenen zu gehören. Ein vertraulicher Hinweis brachte die Kollegen von der Kripo dann auf seine Spur: Mit den Beweisen konfrontiert, legte der suspendierte Gendarm ein Geständnis ab. Einen weiteren Überfall, für den er in Betracht kommt, bestritt er allerdings.
(apa/red)
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