"Operation Xenia:" Erfolgreiche Razzia gegen heimische Kinderpornokonsumenten
- Hausdurchsuchungen bei 96 Personen durchgeführt
- Ermittlungen von US-Behörden als Ausgangspunkt
Es ist der bisher zweitgrößte Schlag gegen Kinderpornokonsumenten in Österreich: In den vergangenen vier Tagen hat das Bundeskriminalamt (BK) mit den Polizeibehörden in den Bundesländern Hausdurchsuchungen bei insgesamt 96 Personen an 120 Wohnadressen durchgeführt. Insgesamt gab es 146 Anzeigen im Rahmen der Operation Xenia. Größer war in Österreich bisher nur die Operation Landslide im Jahr 2002 mit rund 300 Verdächtigen.
Ausgangspunkt der Aktion waren Ermittlungen des im Jahr 2002 neu geschaffenen US-Ministeriums für Innere Sicherheit gemeinsam mit US-Finanzbehörden, wie Mag. Erich Zwettler vom Bundeskriminalamt am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien sagte.
Ziel war es dabei, die Geldflüsse aus den Gewinnen des Kinderpornomarkts zu untersuchen. Die Ermittler stießen 2004 auf ein weißrussisches Unternehmen, das Kreditkartenabrechnungen für Websites mit kinderpornografischem Material durchführte.
Weißrussische Firma als Angelpunkt
Das weißrussische Unternehmen mit seinen zahlreichen internationalen Niederlassungen war Angelpunkt des Kinderpornonetzwerks. 35 Personen der Firma, darunter drei Topmanager in den USA, Spanien und Frankreich, wurden festgenommen, berichtete Erich Zwettler. In Nordamerika stießen die Ermittler bei ihren Nachforschungen zu der Firma auf rund 1.200 Kinderpornoproduzenten und Vertreiber des Materials.
Die Firma erwirtschaftete - praktisch ohne Aufwand - einen Gewinn von 1,5 Millionen US-Dollar (1,227 Mio. Euro) pro Jahr. Für einen Konsumenten kostete der Zugang zu den Pornosites etwa 50 bis 70 Dollar (40,9 bis 57,2 Euro) pro Monat, so Zwettler.
Ausgewertet wurden - wie in solchen Fällen üblich - die Kreditkartenabrechnungen, um den Konsumenten auf die Spur zu kommen. Damit hatten die Behörden die Daten von rund 100.000 Kunden weltweit. Das Gros davon - mehr als 70.000 - befand sich in Nordamerika, knapp 30.000 Verdächtige waren über den Rest der Welt verteilt.
Meisten Verdächtigen in Wien
"Wir bekamen von den US-Behörden rund 19 Gigabytes Material. Das sind etwa acht Millionen bedruckte A4-Seiten", sagte Regine Buchmann vom Bundeskriminalamt. Das Material betraf 146 Personen, die wegen Besitzes von Kinderpornografie verdächtig waren. Davon blieben letztendlich 96 Personen übrig, bei denen Hausdurchsuchungen durchgeführt worden. Zwettler: "Manche sind verzogen, manche mittlerweile gestorben. Und bei manchen war es dem Staatsanwalt einfach nicht genug, daraus ergibt sich die Diskrepanz."
Die Hausdurchsuchungen wurden zeitlich abgestimmt in ganz Österreich durchgeführt. Die meisten Verdächtigen gab es in Wien, betroffen waren alle Bundesländer. Der Akademikeranteil unter den Verdächtigen ist überdurchschnittlich. Unter den Verdächtigen - die meisten sind zwischen 20 und 50 Jahre alt - befindet sich auch eine Frau. Allein in Wien wurden 8.039 Gegenstände - Videos, DVDs, Festplatten und Ähnliches sichergestellt. Die Fahnder gehen davon aus, dass rund 50 Prozent der Hausdurchsuchungen bereits vor der Auswertung des Materials Treffer erbrachten. Teilweise legten einige Verdächtige gleich Geständnisse ab, teilweise war das sichergestellte Material offensichtlich kinderpornografisch.
In Österreich ist die Operation Xenia - wie in Nordamerika, Großbritannien und mehreren anderen Staaten - damit abgeschlossen. Die Auswertung des beschlagnahmten Materials wird laut Bundeskriminalamt noch mehrere Monate in Anspruch nehmen. In anderen Ländern werden ähnliche Aktionen folgen. (apa/red)
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