Freitag, 10. Juni 2005

Millionärs-Clan Humanic: Österreichs größter Schuh-Händler auf Europakurs

  • NEWS: Wie der verschwiegene Clan Millionen verdient
  • KLICKEN: Hochprofitabel - Leder & Schuh AG in Zahlen

Wie macht das der Shoemanic? Der Millionärs-Clan Humanic, Österreichs größter Schuhhändler, segelt nun auf Europakurs. NEWS verrät, wie der verschwiegene Clan Millionen verdient.

Thomas Ridder und sein Leder-&-Schuh-Vorstandskollege Gottfried Maresch sind hoch zufrieden. Keine zwei Wochen sind seit der Eröffnung von Europas größtem Schuhgeschäft vergangen, und schon übertrifft der neue Megastore des heimischen Schuhgiganten Humanic auf der Wiener Mariahilfer Straße alle Erwartungen. "An den ersten beiden Verkaufstagen wurden wir regelrecht gestürmt. Freitagabend musste sogar die Polizei anrücken, damit wir schließen konnten. So viele Schuhe hat dieser Tage sicher kein anderes Geschäft weltweit verkauft", freut sich Ridder.

Hochprofitabel
Wirklich angewiesen ist man auf die Sensationsumsätze der neuen Wiener Nobeladresse freilich nicht. Denn der heimische Marktführer in Sachen Taschen und Schuhe marschiert bereits seit geraumer Zeit selbstbewusst auf der Straße der Sieger. Über 338,4 Millionen Euro (konsolidierten) Umsatz konnte die Leder & Schuh AG mit ihren Unternehmenstöchtern Humanic, Dominici, Jello, Shoe4You, Corti, und Top Schuh in den europaweit knapp 300 Filialen zuletzt erwirtschaften. Das sind 6,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Zugleich gelang den Shoemanics als Einzigen in der Branche (und gegen den allgemeinen Markttrend) darüber hinaus das Kunststück, ihren Gewinn (EGT) um beachtliche 77 Prozent auf aktuell über 15 Millionen Euro zu pushen.

Diskrete Eigentümer
Vor allem Letzteres dürfte den Eigentümern der Leder & Schuh AG - eine weit verzweigte Grazer Industriellenfamilie, deren Wurzeln bis in die altösterreichischen Adelshäuser Reininghaus und Montecuccoli reichen - zur Freude gereichen. Die knapp 25 Aktionäre des als nicht börsennotierte Aktiengesellschaft geführten Unternehmens sind allesamt Nachfahren des Lederfabrikanten Carl Rieckh, der 1872 gemeinsam mit seinem Schwiegersohn Felix Alexander Mayer den Grundstein für das Schuh-Imperium legte. Mittlerweile hat beim Humanic-Clan die vierte Generation das Sagen.

Externe Manager
Als Mastermind und Grandseigneur des Unternehmens gilt der 69-jährige Michael Mayer-Rieckh. Aus dem operativen Geschäft hat sich der Vater von fünf erwachsenen Kindern vor knapp fünf Jahren zurückgezogen, um das Business externen Managern zu überlassen. Als Vorsitzender des Aufsichtsrats lenkt er jedoch nach wie vor die Geschicke des Unternehmens. "Ich bemühe mich, nicht lästig zu sein - aber trotzdem gut informiert", bekennt der engagierte Förderer zeitgenössischer Kunst in einem seiner seltenen Interviews exklusiv für NEWS.

Michael Mayer-Rieckhs Metier ist das Understatement. Über die Erfolge der Firma erteilt der als extrem öffentlichkeitsscheu geltende Paradeunternehmer höflich Auskunft, über die Familie ist ihm hingegen kaum eine Silbe zu entlocken. Der über halb Europa verstreute, kinderreiche Unternehmerclan genießt den Erfolg abseits der Seitenblickegesellschaft. Unstimmigkeiten in puncto Geschäftsgebarung, so wissen Freunde der Familie, werden nur im Kreise der Familie und nicht in der Öffentlichkeit ausgetragen.

Kein Erbrecht
Mayer-Rieckhs langjähriger Gefährte und Cousin Stephan Mayer-Heinisch legte Ende des Vorjahres seine Funktion als Konzernsprecher zurück. Nachgerückt sind aber nicht, wie anderswo üblich, Vertreter der fünften Eigentümer-Generation, sondern externe Manager. "Wir wollen die Besten für diesen Job", setzt Mayer-Rieckh unternehmerische Kompetenz vor Erbrecht. Nur hineingeboren worden zu sein genügt im Humanic-Clan nicht. Ein Grundsatz, den Michael Mayer-Rieckh auch bei seinen Kindern anwendet. Seit Ende letzten Jahres arbeitet Sohn Peter, 33, als Prokurist im Unternehmen. Die Schlüsselposition des für die Expansion zuständigen Vorstands hingegen wurde dieser Tage einmal mehr mit einem familienfremden Manager besetzt.

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10.6.2005 08:51