Ein Herz und (s)eine Niere

Franz & Christine Vranitzky. Das Paar liefert ein Lehrstück höchster Verbundenheit: Er schenkt ihr seine Niere. Das erste Interview.
Staatstragend, weltmännisch, souverän, wie man es gewohnt war, klingt das noch nicht, knapp eine Stunde nach der Entlassung aus der Klinik. Sondern ungewohnt leise und rau. Geschwächt sei er und immer noch knieweich, sagt Franz Vranitzky, 67, der einmal Österreichs Kanzler war. Und den jetzt die ganze Welt bewundert, weil er einen der größten Liebesbeweise erbracht hat, den ein Mann seiner Frau zukommen lassen kann. Eines der generösesten Geschenke, die sich ausdenken lassen. Das mit Geld nicht zu beziffernde Pfand einer großen Liebe, die dazu führt, dass einer zum Teil des anderen wird.
Manchmal auch in ungeahntem Wortsinn. Franz und Christine Vranitzky haben zu Zeiten, da Ehen oft keine drei Jahre überstehen, Maßstäbe gesetzt: Sie war krank, er hat ihr eine Niere gespendet.
Die Operation. Am Dienstag, dem 31. Mai, acht Uhr früh, Universitätsklinik für Chirurgie in der Klinischen Abteilung für Transplantation am Wiener Allgemeinen Krankenhaus: Der Eingriff beginnt. Transplantationschirurg Ferdinand Mühlbacher hat sich erst den Spender vorgenommen: Franz Vranitzkys rechte Niere wird entfernt. Eineinhalb Stunden später, um 9.30 Uhr, ist die Empfängerin an der Reihe: Patientin Christine Vranitzky, 64, lebt seit 1988 mit einer einzigen, fremden Niere. Das Organ wurde ihr 1988 in der Universitätsklinik Hannover dort, wo sich auch Bruno Kreisky erfolgreich einer solchen Operation unterzogen hatte eingepflanzt und tat zum Erstaunen aller Ärzte 17 Jahre seinen Dienst. Zehn bis 15 Jahre Funktionsdauer sind sonst die Regel. Zuletzt aber begann die Lebensdauer des Organs fühlbar abzulaufen.
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