Mittwoch, 8. Juni 2005

Gefangen in der Schuldenfalle

Pleite-Republik: Schon eine Million Österreicher sind überschuldet – die Opfer werden jünger, die Ausstände Jahr für Jahr höher
Neuer Rekord: Mehr als eine Million Mal kam der Kuckuck 2004 zu den Österreichern.
Geldnot: Jeder heimische Haushalt ist schon mit 35.800 Euro verschuldet.

Vergangener Donnerstag, 10 Uhr, im Linzer Stadtteil Auwiesen: Martin Scheiblhofer räuspert sich noch einmal, bevor er mit voller Vehemenz an der Tür klopft: „Hier
ist der Gerichtsvollzieher, machen Sie auf!“ Scheiblhofer weiß selbst, dass er immer ein ungebetener Besucher ist. Er weiß, dass sich die Menschen, die ihn hereinbitten, insgeheim wünschen, er wäre nie zu ihnen gekommen. Und trotzdem ist es sein Job, dort hinzugehen, wo meist wenig zu holen ist. Es sind Orte der Verzweiflung, an denen er auf Menschen ohne Hoffnung trifft. Menschen, die festsitzen – in der heimtückischen Schuldenfalle.

Mutter im Schuldenchaos. Die zierliche Frau hat den Exekutor an diesem Tag nicht erwartet und ist dennoch kaum überrascht, als sie Martin Scheiblhofer in der Tür stehen sieht. Die 21-Jährige hat Schulden bei Versandhäusern, Versicherungen und Handybetreibern. Insgesamt haben sich im Laufe der vergangenen Monate mehr als 3.000 Euro an offen stehenden Verbindlichkeiten angehäuft. Und damit ist Iris Z. nicht allein. Die Fakten:

  • Insgesamt sind, so schätzen Schuldnerberater, fast eine Million Österreicher mit Zahlungen im Verzug und damit von Verschuldung betroffen.

  • Statistisch betrachtet hat also fast jeder achte Einwohner seine Verbindlichkeiten längst nicht mehr im Griff. Rückzahlungen können entweder gar nicht mehr oder nur noch schleppend geleistet werden.

    8.6.2005 16:12