Dienstag, 7. Juni 2005

Von Neverland in die Zelle: Nach Schuld-spruch droht Jackson der Schutztrakt

  • Mit dem Luxusleben wäre es für "Jacko" endgültig vorbei
  • Vorbereitungen für mögliche Einweisung laufen bereits

Ein Schuldspruch wegen sexuellen Missbrauchs würde Michael Jackson jäh aus seiner Peter-Pan-Welt reißen. Gleich nach der Urteilsverkündung würden ihm Handschellen angelegt. Eine gute Stunde später könnte er bereits in einer Zelle im Bezirksgefängnis von Santa Barbara sitzen.

Dort liefen schon die Vorbereitungen für die mögliche Einweisung Jacksons, sagte der frühere Gefängnisleiter Jim Thomas. Dass der einstige "King of Pop" von seinem 1.000 Hektar großen Neverland in eine 2,5 mal 3 Meter große Zelle zieht, ist schwer vorstellbar, aber möglich. Falls er in allen zehn Anklagepunkten schuldig befunden wird, drohen dem Popstar knapp 20 Jahre Haft.

Das nahe gelegene kleine Bezirksgefängnis wäre nur eine Zwischenstation, wo Jackson die Verkündung des Strafmaßes abwartet. Mit dem Luxusleben wäre es sofort vorbei. "Hier wird ihm keiner den Sonnenschirm über den Kopf halten", so Ex-Sheriff Thomas. Eine Kamera würde den prominenten Insassen 24 Stunden lang verfolgen und damit die "Selbstmord-Überwachung" übernehmen.

Endstation ist das Staatsgefängnis Corcoran, eine hoch gesicherte Anlage im fruchtbaren San Joaquin Tal, rund 250 Kilometer nördlich von Los Angeles. Als einzige der über 30 staatlichen Anstalten nimmt Corcoran die "High Notoriety"-Kandidaten auf, die zum eigenen Schutz vor Mitgefangenen isoliert werden. Hier sitzen berühmt-berüchtigte Kriminelle wie der Serienmörder und Sektenführer Charles Manson und Sirhan Sirhan, der 1968 den US-Präsidentschafts-Anwärter Robert Kennedy tötete.

Als verurteilter Kinderschänder wird Jackson "keine beliebte Person sein", prophezeit Thomas. Im Block 4, einem Sondertrakt mit über 2000 Gefangenen, werden Schwerverbrecher und Sonderfälle isoliert gehalten, darunter Bandenchefs, Massenmörder, Unruhestifter und Ausbrecher. Hier würde Jackson quasi in Einzelhaft sitzen, in einer Zelle mit Klo, Schreibtisch und Bett. Als einziger Luxus sind Fernsehen und täglich eine Stunde Sport an der Seite eines Aufsehers erlaubt. Aufnahmegeräte sind verboten. Besuch darf nur am Wochenende empfangen werden.

Jackson würde seine maßgeschneiderte Garderobe gegen die blaue Häftlingskluft eintauschen. Nach den strikten Vorschriften dürfen Insassen ihr Äußeres nicht verändern, keine Perücken tragen oder ihre Haare färben, teilte eine Gefängnissprecherin dem Sender MTV mit. Aufs Make Up müsste Jackson aber nicht verzichten. "Wir haben Frauen und Transvestiten, die einige Kosmetikartikel benutzen", meint Margot Bach. "Männer, die das tun möchten, dürfen sich schminken".

Die für knapp 3.000 Gefangene gebaute Betonfestung ist mit 5.000 Häftlingen weit überbelegt. Corcoran hat einen ebenso schlechten Ruf wie viele seiner gefährlichsten Insassen. In den neunziger Jahren gingen die Behörden Berichten nach, dass Wärter zur eigenen Unterhaltung Kämpfe zwischen rivalisierenden Banden anzettelten. Bach zufolge müsste Jackson als Missbrauchtäter mindestens 85 Prozent der verhängten Strafzeit absitzen.

Viele zweifeln daran, ob der kränklich und schwach wirkende Sänger einige Jahre hinter Gitter aushalten würde. Doch Jim Thomas ist anderer Meinung. Jacksons Durchhaltevermögen vor Gericht habe ihn beeindruckt, räumt der Ex-Sheriff ein. "Er wird sich im Gefängnis fügen und an die Regeln halten. Schließlich hat er keine andere Wahl". Es wäre nicht sein Ende, meint auch der schwarze Politiker und Bürgerrechtler Jesse Jackson, ein Freund und Berater des Sängers. "Er sieht zart aus, tanzt und redet mit einer feinen hohen Stimme, aber er ist wirklich zäh und sehr klug", sagte er dem Sender MSNBC. (apa/red)

7.6.2005 13:08