Montag, 13. Juni 2005

UniCredit-Angebot für BA-CA: Entweder Aktientausch oder 70,04 Euro in bar!

  • Übernahmeofferte für BA-CA und polnische Tochter BPH
  • Bleibt Aktie an Börse? Kurs am Montag leicht gestiegen

Der Zusammenschluss der HypoVereinsbank (HVB) mit der italienischen UniCredit wird im Rahmen eines 5:1 Umtauschangebots an die Aktionäre der HVB durchgeführt. UniCredit bietet 5 eigene Stammaktien für je eine HVB-Aktie. Aber auch für den Bank Austria Creditanstalt -Streubesitz gibt es ein Übernahmeoffert, weil hier der kontrollierende Aktionär wechselt.

Der gesamte Deal der Italiener besteht somit aus insgesamt 3 Umtauschangeboten: für die HVB, deren ebenfalls börsenotierte Tochter Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) und für deren Tochter BPH in Polen.

Die Angebote für Bank Austria und BPH werden alternativ auch ein Barangebot umfassen. Dies teilten die Häuser am Sonntag Abend in einem Kommunique mit.

Das Bank Austria-Aktien-Tausch-Angebot wird auf einem Umtauschverhältnis von 19,92 neuen UniCredit-Stammaktien für je eine Bank Austria-Aktie basieren.

Dieses Umtauschverhältnis enthält eine Prämie von 16,9 Prozent auf den Drei-Monats-Durchschnitts-Schlusskurs der Bank Austria am 10. Juni 2005 bzw. einen Aufschlag von 12,1 Prozent auf den Schlusskurs der Bank Austria am 25. Mai 2005, mit dem Schlusskurs von UniCredit am 25. Mai 2005 als Referenz.

Den Aktionären der Bank Austria Creditanstalt und der BPH wird allerdings auch ein alternatives Barangebot unterbreitet.

Wer nicht in Aktien tauschen will, kann sich also bar auszahlen lassen: Den Aktionären der Bank Austria werden 70,04 Euro je Bank Austria-Aktie alternativ zum Bank Austria-Umtauschangebot angeboten. Der gebotene Preis basiert auf den Aktienkursen der letzten sechs Monate.

Der Preis für das Bank Austria-Barangebot unterliegt noch der Überprüfung und Billigung durch die österreichische Übernahmekommission.

BA-CA könnte an Börse bleiben
Von den mehr als 19 Milliarden Euro, die sich die italienische UniCredit den HVB-Deal (inklusive BA-CA und Polens BPH) kosten lässt, könnten 2,3 bis 2,7 Mrd. Euro auf die Abfindung des 22,5-prozentigen Streubesitzes der Bank Austria entfallen. Vorausgesetzt, die Streubesitz-Aktionäre nehmen die Übernahmeangebote an. Mehr als eine Milliarde Euro entfiele wiederum auf die Streubesitz-Übernahme bei der polnischen BPH Bank.

Die Übernahmeofferte an die freien Aktionäre der BA-CA werden im Markt als weitaus zu billig bewertet, Anlegerschützer Wilhelm Rasinger formuliert drastischer: Wer zu 70,04 Euro in bar annehme, sei überhaupt "bekloppt", und auch das Angebot, in UniCredit-Aktien zu wechseln - was bei knapp 20 neuen UniCredit-Aktien die BA-CA-Aktie mit rund 82 Euro bewertet - ist ihm zu wenig.

Eine Prämie sehe anders aus, heißt es bei den Börsianern. Die BA-CA notierte Montagmittag mit 82,36 Euro. Das war ein Plus um 1,06 Prozent.

Deshalb wird in der Wiener Finanzbranche davon ausgegangen, dass die Italiener eben vor allem auf den Aktientausch setzen, und ein Misserfolg eines Cash-Angebots - das freilich die Übernahmekommission zumindest als Alternative zum Aktientausch vorgibt - von den Italienern bewusst in Kauf genommen werden dürfte.

"Prohibitiv", war der Kommentar vom Markt Montag. Das könnte wiederum zumindest für die Wiener Börse gut sein, denn wenn zu wenige Aktionäre annehmen, bleibt die BA-CA als schwerster Titel an der Börse.

Ein "attraktives" Baroffert hätte anders ausgesehen, heißt es in Markt. Unter Börsianern waren zumindest vor diesem Wochenende Abfindungspreise von gut 80, 85 bis gar 90 Euro pro BA-CA-Aktie im Gespräch.

Zum Vergleich: Als "Einstandspreis" (Ausgabepreis) gab es die Aktie bei der Börserückkehr im Juli 2003 zu 29 Euro.

In der Bank Austria Creditanstalt selbst gibt es keinerlei Kommentare zu den gebotenen Preisen. Im Lauf des Übernahmeverfahrens muss der Vorstand freilich eine "fairness opinion" abgeben.

Die gesamte Bank Austria ist zu Börsekursen aktuell mehr als 12 Mrd. Euro wert. Es sind insgesamt 147 Millionen Aktien ausgegeben.

An der BA-CA hält der Mutterkonzern HypoVereinsbank (HVB) 77,5 Prozent. Weil kein weiterer Aktionär mehr als 5 Prozent vom Kapital besitzt, werden die verbleibenden 33 Millionen Aktien oder 22,47 Prozent dem Streubesitz zugezählt.

Der Anteil österreichischer Privataktionäre am Free float ist außerst mager: Seit der Börse-Wiedereinführung im Juli 2003 ist vor allem die Beteiligung von US-Investoren stark angestiegen, konkret gab es einen Anstieg von 12 auf 43 Prozent des Streubesitzes. Zusammen mit den britischen Anlegern waren Ende 2004 fast 70 Prozent des Streubesitzes dem angelsächsischen Raum zuzuordnen.

Die übrigen 30 Prozent vom Streubesitz der BA-CA verteilten sich auf westeuropäische Länder, wobei der Anteil der österreichischen Investoren zu Jahresende 2004 unverändert lediglich bei 4 Prozent lag.

Von den 33 Millionen Streubesitz-Aktien werden mehr als 98 Prozent von institutionellen Investoren gehalten. Den Rest halten Privatkunden und eigene Angestellte.

Unter den bekanntesten Aktionären zählt die Wiener AVZ-Stiftung. Bei der HVB/Bank Austria-Fusion behielt die AVZ damals schon 10.000 Namensaktien an der Bank Austria, der Betriebsratsfonds erhielt 100 Aktien. Mit diesen "golden shares" hat sich der Betriebsrat weit über den Aktienanteil hinausgehende Veto-Rechte gesichert. (apa)

13.6.2005 12:50