Unschuldig und doch so ungeliebt: Starker
Euro als Sündenbock für Europas Probleme
- FORMAT: Wirtschaft steht klar hinter Einheitswährung
- PLUS: Welche Vorteile und Probleme der Euro brachte!
·KLICKEN: Die zwie-spältige Eurobilanz
Was der Euro für Wirtschaft
und Konsumenten brachte
Seit einigen Tagen lässt sich die Bedeutung des italienischen Arbeitsministers Roberto Maroni beziffern: Sie liegt bei etwa drei Cent. Um so viel, von 1,26 auf 1,23 Dollar, sackte nämlich der Eurokurs ab, nachdem der Lega-Nord-Politiker die Wiedereinführung der Lira in seinem Heimatland verlangt hatte. Ein Bericht, wonach auch der deutsche Finanzminister Hans Eichel mit Bundesbankpräsident Axel Weber über ein mögliches Scheitern der Währungsunion gesprochen hätte, wurde von den Beteiligten dagegen nicht bestätigt.
Früher hätte Italien in dieser Lage die Lira abgewertet und so seine Wirtschaft - wenigstens kurzfristig - wettbewerbsfähiger gemacht. "Dann hätten wir das Problem", erinnert AK-Chefökonom Günther Chaloupek an Zeiten, als das Hartwährungsland Österreich regelmäßig durch Abwertungen südeuropäischer und skandinavischer Länder unter Druck kam.
"Mit dem Euro ist das Leben für uns in dieser Hinsicht deutlich leichter geworden", sagt dazu Böhler-Uddeholm-Chef Claus Raidl. Fruchtsaftexporteur Peter Pfanner hofft ebenfalls, dass Italien im Währungsverbund bleibt: "Früher mussten wir bei Italien-Geschäften immer eine Wechselkursreserve einkalkulieren. Der Euro ist für uns und die gesamte Wirtschaft ein Stabilitätsfaktor." Auch Johannes Elsner, Chef des Autozulieferers Eybl, ist mit der Währungsunion hochzufrieden: "Weil unsere Hauptmärkte Frankreich und Deutschland sind, erleichtert die einheitliche Währung die Planung. Ich wünschte, auch Rumänien, die Slowakei und Ungarn, wo wir ebenfalls produzieren, hätten schon den Euro."
Exporte in die USA stiegen trotz des starken Euros
Dass der Eurokurs im Verhältnis zum Dollar letztes Jahr deutlich gestiegen ist und so Exporte in den Dollarraum verteuert hat, mindert die Zuneigung der Wirtschaft zur Gemeinschaftswährung nicht. "Drei Viertel des heimischen Außenhandels gehen nach wie vor nach Europa", sagt Wifo-Expertin Yvonne Wolfmayr, "außerdem sind gerade die Exporte in die USA trotz des starken Euros deutlich gestiegen."
Der Boden für populistische Anti-Euro-Agitation ist aber auch der Frust vieler Verbraucher über Preiserhöhungen bei der Währungsumstellung. AK-Konsumentenschützer Harald Glatz: "Preise für Produkte des täglichen Bedarfs sind stärker gestiegen als die allgemeine Inflation."
Dennoch, so eine aktuelle OGM-Umfrage für den ORF-"Report", sind drei Viertel der Österreicher für die Beibehaltung des Euros. Und ob sich in Italien eine Mehrheit für die Rückkehr zur Lira fände, ist auch zu bezweifeln: Dann müsste das Land 80 Milliarden Euro pro Jahr mehr an Zinsen für seine Staatsschulden zahlen - und das wäre ein wirklich gewichtiger Maroni-Effekt.
Noch mehr Infos lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von FORMAT!

