Mittwoch, 8. Juni 2005

Arbeitslose ohne Hoffnung: Mit dem
Jobverlust sinkt auch die Zufriedenheit

  • Arbeitsklima-Index: Kein Job - Doppelt so pessimistisch
  • Arbeitnehmer sind mit Gehalt nicht mehr so zufrieden

Die Lebenszufriedenheit unter den mehr als 250.000 Arbeitslosen in Österreich ist gering. Wer keine Arbeit hat, hat nur wenig Hoffnungen für die Zukunft. Das hat der jüngste Arbeitsklima-Index der Arbeiterkammer Oberösterreich ergeben, der am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien präsentiert wurde. Im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2004 bieb der Arbeitsklima-Index stabil, lediglich die Zufriedenheit mit dem Einkommen ist gesunken.

Pessimismus und Zukunftsangst prägen die Situation der Arbeitslosen. Drei Viertel der Menschen ohne Arbeit sind überzeugt, dass sie ohnehin nur sehr schwer einen Arbeitsplatz finden werden. Besonders Frauen rechnen mit großen Problemen: Acht von zehn weiblichen Arbeitslosen geben an, nur schwer ins Arbeitsleben wieder einsteigen zu können. Die Situation älterer Arbeitsloser ist besonders prekär: 91 Prozent erwarten, dass sie nur schwer wieder eine neue Stelle finden zu können.

Fragt man die Arbeitslosen nach ihrer Einschätzung der wirtschaftlichen Zukunft Österreichs, so ergibt sich ebenfalls ein pessimistisches Bild. Mit 55 Prozent sieht mehr als die Hälfte für die Zukunft schwarz. Die Zahl der Pessimisten ist damit in den vergangenen Jahren stark angestiegen, im Jahr 2000 hatten "nur" 41 Prozent negative Erwartungen geäußert.

Menschen ohne Arbeit sind generell wesentlich unzufriedener als Menschen mit Arbeit: Fast jeder Zweite (48 Prozent) in einem aufrechten Beschäftigungsverhältnis gibt an, mit seinem Leben "insgesamt zufrieden" zu sein, von den Arbeitslosen können nur 22 Prozent dieser Aussage zuzustimmen. Besonders unglücklich sind Arbeitslose ohne Ausbildung. Bei den Arbeitslosen, die nur einen Pflichtschulabschluss haben, geben überhaupt nur 14 Prozent an, mit ihrem Leben zufrieden zu sein.

"Der aktuelle Arbeitsklima-Index zeigt die Folgen von Arbeitslosigkeit für das persönliche Leben der Betroffenen", betont der Vizepräsident der AK Oberösterreich, Reinhold Entholzer. "Die Menschen verlieren den Glauben an sich und an Österreich. Es muss alles getan werden, um ihnen zu helfen und die seit Jahren stetig steigende Arbeitslosigkeit zu verringern."

Der Gesamtwert des Arbeitsklima-Index hat sich seit Herbst 2004 nicht wesentlich verändert. Einen signifikanten Rückgang gab es lediglich bei der Zufriedenheit mit dem Einkommen. Seit Herbst des Vorjahres ist der entsprechende Wert um zwei Punkte von 59 auf 57 gefallen. Besonders bei den Angestellten ist die Einkommenszufriedenheit stark rückläufig.

(apa/red)

8.6.2005 13:15