Samstag, 11. Juni 2005

Österreichs größter Tenniserfolg: Thomas Muster feiert zehnjähriges Paris-Jubiläum!

  • Am 11. Juni 1995 holte Muster den French Open-Titel
  • Sandplatz-Rekorde aus diesem Jahr halten bis heute

Heute ist es exakt zehn Jahre her, dass Thomas Muster als erster und bisher einziger Österreicher ein Tennis-Grand-Slam-Turnier gewonnen hat. Am 11. Juni 1995 hat der Steirer mit seinem 7:5,6:2,6:4-Finalsieg über den US-Amerikaner Michael Chang bei den French Open in Paris Tennis-Geschichte geschrieben.

Muster wird deshalb heute weder Leuchtraketen steigen lassen, noch mit Champagner herumspritzen. Vielmehr wird er das tun, "was man bei einem Weinbauern eben so tut. Am Pool liegen und Wein trinken." Gefeiert wird der 45. Geburtstag von Manfred Tement in Berghausen an der steirischen Weinstraße, angestoßen wurd auf den zehnten Jahrestag aber schon.

"Ich bin keiner, der in der Vergangenheit lebt"
Musters Erinnerungen an diesen historischen Sporterfolg sind nicht verblasst, auch wenn er selbst damit nie hausieren ging. "Die Dimension ist mir durchaus bewusst. Aber das Leben geht weiter und ich bin keiner, der in der Vergangenheit lebt. Und wenn schon nicht in der Gegenwart, dann eher in der Zukunft", so Muster.

Zehn Jahre später sehe man halt vieles anders. "Es gibt Menschen, die haben Paris mehrmals gewonnen, es ist alles ziemlich weit weg und heute wird ein ganz anderes Tennis gespielt", gibt sich Muster abgeklärt. Andererseits: "Die Verbundenheit und Anerkennung der Menschen ist durchaus da. Mir wurde etwa erst viel später bewusst, wie viele Leute sich das Finale wirklich angeschaut haben."

Mehrer unvergessliche Tage in Musters Karriere
Das Datum des Paris-Sieges ist in Musters sportlichen Erinnerungen natürlich ebenso eingebrannt wie die 44 Turniersiege, der Tag, an dem er Nummer eins der Welt wurde (12. Februar 1996) und natürlich der Tag des Unfalls in Key Biscayne (1. April 1989). Seine herausragenden Siegesserien speziell auf Sand hingegen weniger bis gar nicht. Muster: "Serien passieren. Und sie sind da, um wie Rekorde eingestellt und gebrochen zu werden."

Dabei rücken gerade diese Serien die wahre Dimension der Leistungen von Muster ins rechte Licht. 44 Turniersiege sind auch heute noch eine Top-Marke und einige der Bestleistungen, die Muster speziell im "Wahnsinnsjahr" 1995 aufstellte, haben auch heute noch Gültigkeit.

In diesem Jahr legte der Steirer eine Serie von 40 Siegen auf Sand in Folge hin, insgesamt kam er auf 35 Siege en suite. Zwölf Turniersiege, davon elf auf Sand bedeuteten eine Jahresbilanz von 86 Siegen (nur 16 Saisonniederlagen), auf Sand hieß die beeindruckende Saisonbilanz 65:2. Und erst im Endspiel von Kitzbühel ging damals eine 1990 begonnene, unglaubliche Serie mit 24 Finalsiegen auf Sand in Folge, zu Ende.

1999 letztes Match in Roland Garros
Im Februar 1996 war Muster deshalb auch zu Recht Nummer eins der Welt (für insgesamt sechs Wochen), im Mai 1999 spielte er in Paris sein letztes Match auf der Tour und verabschiedete sich, ohne jemals seinen Rücktritt erklärt zu haben. Nach missglückter Ehe in Australien ist Muster seit zwei Jahren auf der Champions-Tour wieder aktiv und lebt wieder in Österreich, seit dem Vorjahr ist er auch Österreichs Daviscup-Kapitän.

Und seit längerem ein erfolgreicher Geschäftsmann in vielerlei Sparten. Muster ist selbst Winzer (Weingut Hochkittenberg), Hotelier (Trofaiach), Designer (TOMS) und Mentor des steirischen Tennis-Nachwuchsprojektes Muster-Land-Steiermark.


Steckbrief von Thomas Muster, der vor zehn Jahren als bisher einziger Österreicher ein Grand-Slam-Turnier (French Open) gewonnen hat.

THOMAS MUSTER:
geboren: 2. Oktober 1967 in Leibnitz
1,80 m, Linkshänder
Vater eines Sohnes (Christian, 3 Jahre)
Weltrangliste: Zwei Mal für insgesamt sechs Wochen Nummer eins (12.2.1996-18.2.1996 und 11.3.1996-14.4.1996)
Preisgeld: 12,224.410 Dollar

ATP-Turniersiege:
Einzel: 44 (1986 Hilversum, 1988 Boston, Bordeaux, Prag, Bari, 1990 Adelaide, Casablanca, Rom, 1991 Florenz, Genf, 1992 Monte Carlo, Florenz, Umag, 1993 Mexiko, Florenz, Genf, Kitzbühel, San Marino, Umag, Palermo, 1994 Mexiko, Madrid, St. Pölten, 1995 Mexiko, Estoril, Barcelona, Monte Carlo, Rom, FRENCH OPEN, St. Pölten, Stuttgart, San Marino, Umag, Bukarest, Essen, 1996 Mexiko-Stadt, Estoril, Barcelona, Monte Carlo, Rom, Stuttgart, Bogota, 1997 Dubai, Key Biscayne)

Single-Bilanz auf der ATP-Tour: 622 Siege, 271 Niederlagen
Doppel: Ein Titel (1988 Bari/mit Claudio Panatta/ITA)

Daviscup: Größter Erfolg Halbfinale 1990 (2:3 in Wien gegen USA)
Bilanz: 45 Siege - 18 Niederlagen (Einzel 36:8, Doppel 9:10)

Zwei Mal Österreichs Sportler des Jahres (1990 und 1995)

Wichtige Muster-Stationen:
1984 mit 17 Jahren erstmals Staatsmeister
3.8.1986: Erster ATP-Titel Hilversum
1.4.1989: Autounfall in Key Biscayne (schwere Knieverletzung)
11.6.1995: Grand Slam-Sieg Paris: 7:5,6:2,6:4 gegen Michael Chang
1995: 40 Match-Siege in Folge auf Sand, 12 Turniersiege
12.2.1996: Erstmals Nummer eins der Weltrangliste
30.3.1997: Letzter ATP-Titel in Key Biscayne: 7:6,6:3,6:1 gegen Sergi Bruguera
24.5.1999: Letztes Match auf der ATP-Tour in Paris: 6:2,1:6,2:6,6:7 gegen Nicolas Lapentti
12.8.2003: Comeback auf der Seniors Tour in Graz gegen Henri Leconte
8.2.2004: Nachfolger von Günter Bresnik als Österreichs Daviscup-Kapitän

11.6.2005 08:49