Freitag, 10. Juni 2005

Nach dreiwöchiger Geiselhaft: Cantoni seit
Freitag Abend wieder in ihrer Heimat Italien

  • CARE-Mitarbeiterin wurde am 16. Mai in Kabul entführt
  • PLUS BILDER der berührenden Heimkehr der Helferin

Nach 24 Tagen Geiselhaft in Afghanistan ist die italienische CARE-Mitarbeiterin Clementina Cantoni am Freitag nach Hause zurückgekehrt. Sie landete am Abend auf dem Flughafen Ciampino in Rom. "Danke, alles ist in Ordnung", sagte sie beim Verlassen des Flugzeuges. Am Flughafen wurde sie auch von Regierungschef Silvio Berlusconi begrüßt. Der Freilassung ging offenbar ein Deal der afghanischen Behörden mit den Kidnappern voraus.

Berlusconi zeigte sich zufrieden: "Wir haben zu einhundert Prozent erreicht, was wir erreichen wollten", sagte der Regierungschef. "Ich bin glücklich." Anschließend sagte er scherzhaft, er werde Cantoni fragen, ob sie für den Abend schon etwas vorhabe oder ob sie mit ihm Essen gehen wolle. Cantoni sollte sich nach ihrer Ankunft in den Justizpalast in Rom begeben, wo sie von den für ihren Fall zuständigen Ermittlern befragt werden sollte. Später sollte sie in ihre Heimatstadt Mailand weiterreisen, wo Freunde und Nachbarn bereits einen riesigen Willkommenskuchen für Cantoni vorbereitet hatten.

Unmittelbar nach der Übergabe Cantonis wurden vier Personen freigelassen, die wegen Verbindungen zu den Geiselnehmern festgenommen worden waren, wie die afghanische Polizei mitteilte. Unter den Freigelassenen befindet sich auch die Mutter des mutmaßlichen Anführers der Kidnapper.

Afghanistan bestreitet Deal mit Entführern
Das Innenministerium in Kabul bestätigte, dass vier Personen aus der Haft entlassen wurden, die kurz nach dem Verschwinden Cantonis am 16. Mai festgenommen worden waren. Ein Geschäft mit den Kidnappern habe es jedoch nicht gegeben. Innenminister Ali Ahmad Jalali betonte, es sei kein Lösegeld gezahlt worden. Die Entführer hätten sich vielmehr dem Druck der Öffentlichkeit und der Regierung gebeugt. Bei den Tätern handle es sich um Kriminelle. Die Polizei sei auf der Suche nach ihnen.

Die Entwicklungshelferin Cantoni war am Donnerstagabend nahe der afghanischen Hauptstadt freigelassen worden. In einem Interview der italienischen Zeitung "La Repubblica" sagte sie noch vor ihrer Abreise, ihre Entführer hätten sie gut behandelt. Während ihrer Gefangenschaft sei sie von mehreren Frauen im Auge behalten worden. Nach ihrer Freilassung und Ankunft in der italienischen Botschaft bat sie zuerst um einen Teller Spaghetti, wie Botschafter Ettore Francesco Sequi mitteilte. Die Zeitung "La Stampa" sprach vom "Ende eines Albtraums".

Die 32-Jährige wurde am 16. Mai auf dem Nachhauseweg in Kabul verschleppt. 13 Tage später zeigte ein afghanischer Fernsehsender ein Video mit Aufnahmen, auf denen zwei Männer eine Schusswaffe an den Kopf der Frau hielten.
(apa/red)

10.6.2005 21:58