Serbischer Kriegsverbrecher Mladic aufgespürt: Auslieferung an UNO-Tribunal?
- Versteck des Ex-Kommandanten anscheinend gefunden
- Serbische Regierung dementiert Medienbericht
Der vom UNO-Kriegsverbrechertribunal angeklagte frühere Militärkommandant der bosnischen Serben Ratko Mladic ist nach einem Zeitungsbericht in Serbien aufgespürt worden. Der seit zehn Jahren untergetauchte mutmaßliche Kriegsverbrecher verstecke sich in einer Stadt im Inneren des Landes und solle in unmittelbarer Zukunft verhaftet werden, berichtete die angesehene Zeitung "Danas" am Freitag in Belgrad. "Die Schlinge um den General zieht sich zusammen", titelte auch das serbische Nachrichtenmagazin "NIN". Die serbische Regierung hingegen dementierte diese Berichte.
Damit erhalten die Gerüchte vom Vortag neue Nahrung, die serbische Regierung bereite die Verhaftung und Auslieferung von Mladic vor. Die Chefanklägerin des UNO-Tribunals, Carla del Ponte, habe bei ihrem Besuch Belgrads Anfang dieses Monats Informationen über den Aufenthaltsort von Mladic geliefert, berichteten die heimischen Medien.
Die Regierung habe Del Ponte versprochen, den General vor dem zehnten Jahrestag des Massakers von Srebrenica auszuliefern. Am 11. Juli 1995 hatten serbische Einheiten bis zu 8000 muslimische Männer und Burschen ermordet.
"Je früher er in Den Haag ist, desto besser"
NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer hofft auf eine Verhaftung des wegen Kriegsverbrechens gesuchten Mladic. "Es ist glasklar: Je früher er in Den Haag ist, desto besser ist das", sagte De Hoop Scheffer am Freitag vor Journalisten in Brüssel. Eine Überstellung Mladics an das internationale Kriegsverbrechertribunal ermögliche auch eine engere Zusammenarbeit zwischen der NATO und Serbien-Montenegro sowie Bosnien-Herzegowina. Beide Länder gehören bisher noch nicht zu den offiziellen NATO-Partnerstaaten.
Die Belgrader Regierung dementierte indes die Medienberichte, wonach Mladic auf Basis von Informationen des Haager Tribunals in Serbien aufgespürt worden sei und in unmittelbarer Zukunft verhaftet werden solle. "Es sind keine Verhandlungen mit Ratko Mladic im Gange und das UNO-Tribunal hat uns keine Informationen über seinen Aufenthaltsort übermittelt", sagte Innenminister Dragan Jocic am Freitag. Die Spekulationen hatten am gestrigen Donnerstag durch eine Aussage von US-Unterstaatssekretär Nicholas Burns neue Nahrung erhalten, wonach die Tage von Mladic "in relativer Freiheit" gezählt seien und die Belgrader Behörden fest entschlossen seien, ihn festzunehmen.
Regierung dementiert Berichte
Die serbische Regierung hat dementiert, sie kenne das Versteck von Mladic. "Informationen über direkte Verhandlungen mit Mladic und Angaben, dass er sich in einer Stadt im Landesinneren Serbiens aufhalte, sind absolut falsch", sagte der Chef der Behörde für die Zusammenarbeit mit dem Haager Kriegsverbrechertribunal, Rasim Ljajic.
(apa/red)
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