Donnerstag, 9. Juni 2005

Jörg Haiders neues Trachtenpärchen: Miklautsch und Scheuch sollen BZÖ retten

  • Kärntner Duo soll Total-Absturz der Orangen verhindern
  • PLUS: Uwe Scheuch im ausführlichen NEWS-Interview

Nach dem enttäuschenden BZÖ-Start: Ein Kärntner Duo soll totalen Absturz der Orangen verhindern. Mit Justizministerin Karin Miklautsch als "Konstruktive" und Uwe Scheuch als Angreifer will Haider mit Orange endlich punkten. NEWS über das neue Kärntner Trachtenpärchen.

Sie sind beide - Überraschung, Überraschung! - Kärntner. Und sie wurden - natürlich - von ihm in die Politik geholt. Die Rede ist von den zwei großen, wohl auch letzten "Zukunftshoffnungen" Jörg Haiders: Justizministerin Karin Miklautsch und BZÖ- Bündnissprecher Uwe Scheuch.

Höhere Weihen für Miklautsch
Die studierte Juristin kommt allerdings - im Unterschied zum diplomierten Bodenwirt und ehemaligen blauen Urgestein Scheuch - aus einer sozialliberalen Familie, war niemals FPÖ-Mitglied und ist laut Eigendefinition "die einzige echte BZÖlerin". Sie, die ehemalige Wasserrechtlerin aus Klagenfurt, die erst seit einem Jahr auf dem glatten Wiener Parkett tätig ist, hat sich durch sachorientierte Arbeit mittlerweile für noch höhere Weihen in der orangen Welt qualifiziert.

Sie werde nun, plaudert ein BZÖ-Stratege aus der Schule, zur "nächsten Spitzenkandidatin" aufgebaut. Vizekanzlerin will Miklautsch - baldiger Rückzug von Hubert Gorbach hin oder her - allerdings nicht werden. Wohl aber will sie als stellvertretende BZÖ-Chefin "voller Elan" die Haider-Partei quer durch Österreich vermarkten helfen.

Karrieresprung für Scheuch
Ein Einsatz, den sie mit dem 36-jährigen Scheuch teilt. Der derzeit engste Haider-Vertraute tingelt bereits seit der BZÖ-Gründung am 4. April quer durch Österreich, um bei Feuerwehrfesten, Gemeindeeröffnungen, in Bierzelten und auf Landwirtschaftsmessen die orangen Botschaften unters Volk zu bringen. Kein leichtes Unterfangen. Denn Haiders Duo in Wien sieht sich mit desaströsen Meinungsumfragen, die das BZÖ nur bei 3 bis 4 Prozent sehen, und jeder Menge Häme auch in den eigenen Reihen konfrontiert.

Schaden durch Kampl
Der ehemalige BZÖ-Bundesrat Kampl hat mit seinen skandalösen Aussagen zu NS-Deserteuren ("Kameradenmörder") und "Nazi-Verfolgung nach dem Krieg" dem orangen Versuch, sich von den dunklen Schatten der Parteigeschichte zu verabschieden, empfindlich geschadet - freundlich ausgedrückt. Miklautsch und Scheuch distanzieren sich - zum Unterschied von jüngsten "Sagern" Haiders - weiter von den "inakzeptablen Aussagen". Der BZÖ-Chef will jedenfalls die Stärken der "konsensorientierten" Ministerin, die sowohl in Anwalts- als auch in Unternehmerkreisen punkten kann, und des "quirligen" Motivators Scheuch nutzen.

Das Rollenspiel
Miklautsch soll in den kommenden Monaten vor allem einen "Imagewandel" signalisieren. Sie soll demonstrieren, erklärt ein BZÖ-Mann, dass "Haider aus der Vergangenheit gelernt hat und auch anderen Leuten neben sich eine Bühne überlässt". Sie soll vor allem Frauen und ehemalige blaue Wähler, die 2002 zu Bundeskanzler Wolfgang Schüssels ÖVP gewechselt sind, ansprechen.

Scheuch hingegen, der in seiner Rolle als Bündnissprecher und Nationalratsabgeordneter mehr Spielraum als die Ministerin hat, soll den "Angreifer" geben und so ehemalige frustrierte FP-Oppositionswähler ködern. Er wird in den nächsten Wochen ehemalige blaue Hochburgen besuchen, Stammtische mit verunsicherten Funktionären organisieren und versuchen, "Strukturen in den Bundesländern für das BZÖ auf die Beine zu stellen".

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9.6.2005 14:54