Freitag, 3. Juni 2005

Euro weiter auf Talfahrt: Nein zu EU-Verfassung lässt die Kurse purzeln

  • Italiens Arbeitsminister will Wiedereinführung der Lira
  • EU-Kommission klar dagegen: "Euro ist für die Ewigkeit"

Der seit Tagen wegen der Krise um die EU-Verfassung und der Debatte über ein mögliches Scheitern der Währungsunion gebeutelte Euro hat am Freitag einen neuen Schlag einstecken müssen. Nach Vorschlägen des italienischen Sozialministers Maroni, in Italien zeitweise wieder die Lira einzuführen, ging der Kurs der Gemeinschaftswährung wieder auf Talfahrt.

In London sank der Euro bis auf 1,2220 Dollar, nachdem er kurz zuvor noch über der Marke von 1,23 Dollar notiert hatte. Im Verlauf zog der Euro wieder an und pendelte um seinen New Yorker Schlusskurs von 1,2270 Dollar.

Maroni, der Mitglied der euroskeptischen Lega Nord ist, sagte der italienischen Tageszeitung "La Repubblica", Italien sollte zumindest zeitweise die Rückkehr zur Lira erwägen. Gleichzeitig warf er dem Chef der Europäischen Zentralbank, Trichet, vor, einer der Hauptverantwortlichen für das nach seiner Ansicht entstandene "Desaster des Euro" zu sein.

Seit der Ablehnung der EU-Verfassung bei einem Referendum in Frankreich am vergangenen Sonntag hat der Euro rund drei US-Cent an Wert verloren. Das Votum der Niederländer gegen die EU-Verfassung und eine Diskussion in Deutschland über mögliche Vorteile einer Auflösung der Währungsunion drückten das Gemeinschaftsgeld ebenfalls.

Dennoch sprachen Händler nicht von einer langfristigen Trendwende beim Euro. "Mittelfristig rechne ich nicht damit, dass der Euro unter 1,20 Euro fallen kann", sagte ein Händler. Nach den Referenden seien die Märkte aber nervös, auch wenn die meisten Händler eine Rückkehr zu nationalen Währungen für "volkswirtschaftlich absoluten Schwachsinn" hielten.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte am Vortag wie erwartet die Zinsen unverändert bei zwei Prozent gelassen. Trichet hatte auf die Frage nach der in Deutschland geführten Diskussion um ein Scheitern des Euro gesagt, er kommentiere absurde Fragen nicht.

EU-Kommission: "Euro ist für die Ewigkeit"
Die EU-Kommission hat Spekulationen über ein mögliches Ende der Währungsunion mit knappen, aber klaren Worten zurückgewiesen: "Der Euro ist für die Ewigkeit", sagte Amelia Torres, die Sprecherin von Währungskommissar Joaquin Almunia, am Freitag in Brüssel. Zur Idee des italienischen Sozialministers Roberto Maroni, zeitweilig wieder die Lira einzuführen, meinte sie, das wäre "nicht klug"

Laut der römischen Tageszeitung "La Repubblica" hat Maroni, Spitzenpolitiker der euroskeptischen und rechtspopulistischen Lega Nord, zwei Währungen in Italien, die alte Lira und den Euro, verlangt. Die Italiener sollten darüber in einer Volksabstimmung entscheiden.
(apa/red)

3.6.2005 13:51