Montag, 6. Juni 2005

Made in Osteuropa: Immer mehr Marken- produkte kommen bereits aus dem Osten

  • FORMAT: Wr. Zuckerln & Co. kommen aus Tschechien
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Mit Wien lässt sich gut werben. Das wissen auch die Produzenten von "Hellers Wiener Zuckerl". Obwohl der Süßwarenhersteller Heller schon längst an den deutschen Konkurrenten Storck verscherbelt wurde und die ehemalige Fabrik im 10. Wiener Gemeindebezirk derzeit zu Luxuslofts umgebaut wird, zieht der Wien-Schmäh noch immer. Ein Blick der Konsumenten auf die mit den Zuckerbonbons gefüllten hellblauen Plastikverpackungen würde den Zauber endgültig entschleiern: "Hergestellt in Tschechien" ist dort zu lesen.

Hellers Traditionszuckerln sind bei weitem nicht die einzigen Produkte vertrauter westeuropäischer und amerikanischer Marken, die in Osteuropa produziert werden. Lebensmittel wie Iglo Marillenknödel oder das probiotische Joghurt Actimel von Danone kommen aus den Schwellenländern Osteuropas.

Nicht nur Konsumgüterkonzerne haben Tschechien, Slowakei oder Bulgarien als Produktionsstandort entdeckt. Internationale Konzerne quer durch alle Branchen wie Benetton, Mustang, Huber Trikot, Richter, Philips, VW, Renault, Head oder Atomic betreiben Werke in Osteuropa. 2005 werden geschätzte 23,3 Milliarden Euro an Direktinvestitionen in die Region fließen (siehe Grafik). "Die Bedeutung Osteuropas als Produktionsstandort wird noch weiter zulegen", prognostiziert BA-CA-Volkswirt Stefan Bruckbauer.

Die Abwanderung der Produktion in den Osten findet für Konsumenten oft unbemerkt statt. Bestes Beispiel: Die Iglo- Marillenknödel (Iglo ist ein Tochterunternehmen des niederländischen Unilever-Konzerns) werden in Wirklichkeit schon lange in Böhmen (Tschechien) hergestellt. Die Marillen der beliebten Süßspeise werden dort händisch entkernt und nach traditioneller österreichischer Manier mit einem Zuckerstück versehen. "Diese Handarbeit ist in Österreich unbezahlbar", sagt Eskimo-Iglo-Verkaufsdirektor Rainer Herrmann. Auch Iglo- Zwetschken- und -Erdbeerknödel stammen aus dieser Produktionsstätte.

Actimel aus Polen, Activia aus Tschechien
Der französische Milchriese Danone - mit 33 Prozent Marktanteil bei Milch-mischprodukten österreichischer Marktführer - bezieht ebenfalls einen wachsenden Teil seines Sortiments aus den östlichen Nachbarländern. Konkret kommen der Danone-Bestseller Actimel aus Polen und der Joghurtdrink Activia aus Tschechien. Die Fruchtzwerge (in der Geschmacksvariante Knuspermix) werden in Ungarn angerührt. Ähnlich die Produktionspolitik des US-Konsumgüterherstellers Masterfoods: Während im österreichischen Masterfoods-Werk in Breitenbrunn die Süßigkeit Mars Delight für den gesamten europäischen Markt erzeugt wird, kommt die Dove-Schokolade (Sorte Promises) aus einem polnischen Werk.

Kritische Konsumenten, die Wert auf "Made in Austria" legen, haben es zunehmend schwerer, die Herkunft ihres Einkaufs zu eruieren. "Bei Nahrungsmitteln aus den EU-Mitgliedsstaaten muss keine Angabe über das Ursprungsland gemacht werden. Ausnahmen sind Obst, Gemüse und Rindfleisch", erläutert Arbeiterkammer-Experte Heinz Schäffle. Tipp des Konsumentenschützers: Bei Milchprodukten ist eine Genusstauglichkeitskennzeichnung zwingend vorgeschrieben. Das Kürzel des Herkunftsstaates findet sich daher irgendwo auf der Verpackung.

Welche Konzerne noch im Osten produzieren, lesen Sie im aktuellen FORMAT

6.6.2005 07:06