Magna-Gründer Stronach im FORMAT:
"Österreich zur Zeit nicht konkurrenzfähig!"
- Groß-Industrielle stolz auf Politik-Karriere seiner Tochter
- Dennoch ist er überzeugt: "Die Belinda kehrt zurück"
Im FORMAT-Interview spricht Magna-Gründer Frank Stronach ganz offen über Erfolg, Familie, Geld und Jörg Haider.
Format: Herr Stronach, Ihre Tochter Belinda wurde vor zwei Wochen als Ministerin angelobt. Ist der Vater eigentlich sehr stolz?
Stronach: Ich bin schon stolz darauf, dass Belinda ein soziales Gewissen hat. Sie sagt, ich bin in einer Familie geboren, wo alles einigermaßen gut verlaufen ist. Sie möchte später einmal auch wieder Magna führen, aber jetzt einige Legislaturperioden ihrem Land dienen. Wir sind fast wie Zwillinge. Sie sieht viele Dinge ähnlich wie ich: Wenn die Wirtschaft nicht funktioniert, klappt gar nichts.
Format: Ist Österreich noch konkurrenzfähig?
Stronach: Zurzeit nicht, wenn sich nichts ändert. Die Welt dreht sich sehr, sehr schnell. Wenn man beobachtet, was zurzeit in Asien investiert wird und welche Fähigkeiten es dort gibt, dann kann es sehr schwierig werden.
Format: Was war eigentlich Ihr Motiv, nach 30 Jahren in Übersee plötzlich in Österreich zu investieren?
Stronach: Ich bin Österreicher. Der Gedanke in der Ferne war: Nütze zuerst der eigenen Familie, dann der Region, aus der du stammst, und dann dem Land. Der Schritt war bewusst gesetzt, weil Europa in der Globalisierung eine Rolle spielt. Aber natürlich hätte ich in Europa woanders hingehen können, wo die Lohnkosten niedriger sind. Ich kann den Wohlstand der Österreicher aber nicht erhöhen, wenn ich in China, Asien oder Indien produziere. Ich muss kein Ökonom sein, um vorherzusagen, dass die Wirtschaft eines Landes, das mehr importiert als exportiert, irgendwann einmal zusammenbricht.
Format: Die Auto- und Zulieferindustrie geht aber jetzt immer stärker in den Osten. Sind die Magna-Werke in Österreich mittelfristig konkurrenzfähig?
Stronach: Das geht nur, wenn wir hier konkurrenzfähig bleiben. Daher investieren wir in Graz in eine Universität, um den Wissensvorsprung zu erhalten, weil das die öffentliche Hand allein nicht mehr schafft.
Format: Magna soll heuer 22 bis 23 Milliarden Dollar Umsatz schaffen. Wo sehen Sie das Unternehmen in zehn Jahren?
Stronach: Wir werden uns mindestens verdoppeln. Wenn wir nicht wachsen, sterben wir. Ich würde eher sagen, wir werden 50 Milliarden schaffen.
Format: Sehen Sie sich in zehn Jahren noch an der Spitze von Magna?
Stronach: Wenn ich keinen Unfall habe und gesund bleibe, dann schon. Das Einzige, was beim Menschen weiterwächst, ist das Hirn.
Format: Fragt Ihre Tochter Sie gelegentlich um Rat?
Stronach: Selbstverständlich setzen wir uns manchmal zusammen und reden über Probleme.
Format: Haben Sie auch den letzten Schritt vor dem Ministeramt besprochen?
Stronach: Wir haben darüber gesprochen, und ich habe gesagt: Ich hoffe, du wirst immer das machen, woran du glaubst und wovon du überzeugt bist, dass es das Beste für dein Land ist. Ich habe ihr auch gesagt, verliere nie dein soziales Gewissen.
Format: Sie wünschen sich aber, dass Belinda irgendwann zu Magna zurückkehrt?
Stronach: Sie kehrt hundertprozentig irgendwann zurück und wird sicherstellen, dass die Prinzipien und Philosophien - all das, was Magna groß gemacht hat - weitergeführt werden.
Format: Wie viel am Erfolg Ihrer Tochter führen Sie auf Ihre Erziehung zurück?
Stronach: Der soziale Gedanke stand immer im Vordergrund.
Format: Wie gelang es Ihnen, das Ihren Kindern zu vermitteln, die in Wohlstand aufgewachsen sind?
Stronach: Am Anfang haben wir sehr bescheiden gelebt. Wir hatten lange Zeit keinen eigenen Swimmingpool, was ja in Nordamerika quasi eine Grundausstattung des Mittelstandes darstellt. Meine Kinder sind wie viele andere ins Gemeindebad gegangen.
Format: Wie wichtig ist Ihre Ehefrau bei der Vermittlung dieser Werte gewesen?
Stronach: Ich habe das eher realistisch gesehen und schätze den guten Charakter meiner Frau. Ich sehe keinen Grund, dass man beim Heiraten wahnsinnig verliebt ist. Der Grund zur Heirat war, Kinder zu haben. Ich wusste, sie würde eine gute Mutter sein, und ich hatte riesiges Glück: Meine Frau ist ein wunderbarer Mensch und eine großartige Lebenspartnerin.
Format: Eine ganz andere Frage: Sie beschäftigen viele Expolitiker als Manager. Welche Philosophie steckt dahinter?
Stronach: Ich sehe solche Leute als Persönlichkeiten und weniger als Politiker. Ich beobachte ihre Fähigkeiten dann über längere Zeit. Wir sind immer auf der Suche nach guten Leuten.
Format: Noch einmal zurück zu den Politikern im Magna-Konzern: Es hat lange Zeit geheißen, Sie nehmen Leute auf, die Opfer von Jörg Haider geworden sind.
Stronach: Nein, das stimmt so nicht. Ich habe starke Prinzipien, egal, ob es die ÖVP, die SPÖ oder wer immer ist.
Format: Was halten Sie von der Gründung des BZÖ?
Stronach: Ich bin gerade erst aus Kanada gekommen und muss sagen, das interessiert und berührt mich eigentlich nicht. Mir ist es aber wichtig, dass es zwei, drei starke Parteien gibt, weil das für die Demokratie wichtig ist.
Format: Wie wichtig ist Geld für Sie?
Stronach: Ich habe früher sehr viel Unterricht an Universitäten gegeben und den Studenten immer gesagt: Der Erfolg des Lebens kann nur daran gemessen werden, wie glücklich man ist. Aus meiner persönlichen Erfahrung habe ich aber hinzugefügt: Es ist leichter, glücklich zu sein, wenn man Geld hat. Ich habe keinen Stress, etwas Geld auf der Bank und kann nicht das Flugzeug versäumen, weil ich mit meinem Privatjet fliege.
Das ganze Interview lesen Sie im aktuellen FORMAT!
Euro-Krise Spanien16:18
Spanien am AbgrundRettung einer maroden Großbank stößt Spanien tief in den Strudel der Euro-Krise
Steiermark19:54
Tödlicher TauchgangFrau fährt in einen Wasserkanal der Mur. Lenkerin wird nur noch tot geborgen.
EURO 2012 Deutschland19:32
EM ohne DraxlerLöw sortiert vier Spieler aus dem Teamkader aus. Auch Stürmer Cacau nur Zuseher.

