Donnerstag, 9. Juni 2005

Ein Haifisch auf Bullenjagd: Mit "Shark lite"
will ein Thai-Konzern Österreich erobern

  • Asien-Multi auf Expansionskurs: 620 Mio. Euro Umsatz
  • FORMAT über die Pläne von Ex-Minister Osathanugrah

Besser, er wäre im Bett geblieben - erhöhte Temperatur, Schnupfen, Jetlag. Und dann auch noch diese Pollenallergie. Doch Surat Osathanugrah nimmt's leicht: "That's life." Der 75-jährige ehemalige Wirtschaftsminister Thailands und Chef des über hundert Jahre alten, in Bangkok domizilierten Familienunternehmens Osotspa hat in seinem Leben schon "Schlimmeres erlebt" - etwa Dietrich Mateschitz und dessen Red Bull: "Es ist schwer, in Mateschitz' Heimat andere Energydrinks zu verkaufen."

Der praktizierende Buddhist, der neben vier Energydrinks, darunter das in Österreich erhältliche "Shark", auch Naturheilmittel, Versicherungen, Immobilien und Kosmetika vertreibt, weiß: "Red Bull steht in fast allen Supermarktregalen der Welt. Aber auch Shark' wird es bald überall geben."

1,3 Milliarden Energydrinks in Dosen und Flaschen, davon etwa 104 Millionen der Marke "Shark", werden von der Osotspa-Gruppe weltweit pro Jahr abgefüllt. Und obwohl diese Produktionsmenge etwa jener von Red Bull Austria entspricht, kassiert Mateschitz mehr - viel mehr.

Ein Vergleich: Während die gesamte Osotspa-Gruppe 620 Millionen Euro Umsatz macht (93 Millionen davon mit Energydrinks), spielen Mateschitz' Dosen 1,4 Milliarden Euro ein. Dafür gebe es, so Osathanugrah, "viele Gründe". Zum einen kosten seine Energydrinks vor allem in Asien weniger, zum anderen verkaufe Mateschitz sowohl an Restaurants, Tankstellen als auch an den Großhandel zu höheren Preisen. Und: Weil Mateschitz extern, nämlich von der Firma Rauch, abfüllen lässt, sei er flexibler. Osathanugrah: "Mateschitz ist ein Marketing-Genie. Ich bin nicht wie er."

"Shark lite" soll Umsätze ankurbeln
Die Offensive des Thais sieht so aus: Der eben eingeführte kalorienarme Energydrink "Shark lite" soll nun die Umsätze ankurbeln. Die Variante "Shark" ist hierzulande schon seit sieben Jahren sowohl mit als auch ohne Kohlensäure erhältlich. "Es geht nicht um schnelles Abcashen - wir müssen auf die Globalisierung reagieren."

Die übrigen ebenfalls aus den Ingredienzen Taurin, Koffein und Kohlensäure bestehenden Osotspa-Softdrinks mit Namen wie "M 150" oder "357" werden nicht in Europa verkauft. Weltweit ist Osathanugrah hinter Red Bull und dem japanischen Energydrink-Hersteller Taisho die Nummer drei. In Asien hinter Taisho auf dem zweiten Platz, blasen die Thais nun zum Sturm auf China.

Neben Asien, Indien oder den USA gilt vor allem Europa als wichtigster Exportmarkt. "In Europa ist Österreich unser Markt Nummer eins", so der Thai. Der Grund: Bei einer Pro-Kopf-Konsumation an Energydrinks von 3,9 Litern liegt Österreich vor Irland und England unangefochten an erster Stelle.

Osathanugrahs Interesse an Österreich ist jedoch nicht nur beruflicher Natur. Im international renommierten Wiener Auktionshaus WestLicht, dem weltgrößten Umschlagplatz für seltene Fotokameras, stellt der Shark-Boss, der zudem ein leidenschaftlicher Fotograf ist, bis Mitte Juni seine eigenen Bilder aus. Außerdem hat der thailändische Entrepreneur bei WestLicht-Chef Peter Coeln eben einige hunderttausend Euro für ein Kameraset der Marke Contax hingeblättert. "Kunst ist wichtiger als Business", gesteht Osathanugrah fröhlich, "aber um Kunst zu fördern, braucht man nun einmal viel Geld."

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9.6.2005 10:47