Donnerstag, 2. Juni 2005

Arbeitlosenzahlen durch Schulungen
"geschönt": Über 50.000 belegen Kurse

  • SP kritisiert Regierung: "Wahres Ausmaß verschleiert"

Mit fast 275.000 Jobsuchenden und einer Arbeitslosenquote von 7,8 Prozent hat die Arbeitslosigkeit in Österreich einen neuen traurigen Nachkriegsrekord verzeichnet. Geschönt wird mit monatlich steigenden Schulungsteilnehmern, die nicht in der offiziellen Statistik aufscheinen, aber ebenfalls einen Job suchen. Im Mai 2005 waren 223.352 Personen offiziell arbeitslos gemeldet, dazu kamen 51.567 Schulungsteilnehmer.

Die Zahl der Schulungsteilnehmer ist damit mehr als doppelt so hoch wie im Krisenjahr 1998, als 21.868 gezählt wurden. Die Schulungen stiegen seit 2000 kontinuierlich. Wurden damals im Jahresschnitt bei 194.314 offiziell gemeldeten Arbeitslosen zusätzlich 28.585 Jobsuchende auf Schulung geschickt, waren es 2004 bereits 42.645 Betroffene. Seit Jahresbeginn 2005 nahm die Zahl der Schulungen deutlich zu und lag seit Februar jeweils über 51.000 Betroffene.

SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Bures wirft der Regierung vor, dass sie alles versuche, um das wahre Ausmaß der Arbeitslosigkeit zu verschleiern. Besonders besorgniserregend sei der fast zehnprozentige Anstieg bei der Jugendarbeitslosigkeit. Derzeit seien 54.900 Jugendliche im Alter von 15 bis 24 Jahre arbeitslos, davon sind 19.000 in Schulung. Gegenüber dem Jahr 2000 sei die Jugendarbeitslosigkeit um 75 Prozent von 31.515 auf jetzt 54.900 gestiegen.

Der Umgang der Regierung und der verantwortlichen Minister auf die Monat für Monat steigende Arbeitslosigkeit, sei unerträglich, meint Arbeiterkammer-Präsident Tumpel. Anstelle rasch und kurzfristig gegenzusteuern, werden Arbeitsmarktgipfel ohne konkrete Ergebnisse veranstaltet. Dabei habe das Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo betont, dass mit einem Abbau der Arbeitslosigkeit ohne energisches Handeln bis 2008 nicht zu rechnen sei.

(apa)

2.6.2005 16:32