Mittwoch, 1. Juni 2005

Flughafen-KV-Gespräche ohne Ergebnis: Nun drohen sogar österreichweite Streiks

  • Auf heimischen Airports 3.500 Arbeiter davon betroffen

Bei den Verhandlungen um einen neuen Kollektivvertrag für die rund 3.500 Arbeiter an österreichischen Verkehrsflughäfen bleiben die Fronten hart. Am Mittwoch haben sich die Sozialpartner ohne Ergebnis getrennt. Eine angebotene Lohnerhöhung von 2,1 Prozent ist aus Sicht der Arbeitnehmer "unannehmbar". Ab nächster Woche sind Betriebsversammlungen an den österreichischen Verkehrsflughäfen geplant, Störungen werden nicht ausgeschlossen.

"Wir werden die Belegschaft über den Stand der Verhandlungen informieren und die weitere Vorgangsweise festlegen", sagte der Verhandlungsleiter für die Arbeitnehmer, der Betriebsratsvorsitzender am Flughafen Wien-Schwechat, Gerhard Gager, am Mittwochabend zur APA. Man werde sich von der Belegschaft die Ermächtigung für "alle Maßnahmen, die zum raschen Abschluss" eines neuen Kollektivvertrags (KV) führen, holen, sagte Gager.

Beeinträchtigungen des Flugverkehrs seien bei den Versammlungen nicht geplant, könnten aber nicht dezidiert ausgeschlossen werden. Die Sozialpartner hatten am Mittwoch sechs Stunden miteinander verhandelt.

Die Verhandlungsrunde sei in "respektablem Klima" verlaufen. Es habe jedoch keine echte Bewegung bei den Positionen gegeben, sagte der Vorsitzende des Arbeiter-Betriebsrats am Flughafen Wien, Gerhard Gager, am Mittwochabend zur APA. Geplante Betriebsversammlungen an österreichischen Flughäfen könnten damit zu Beginn der Ferienzeit zu Störungen an Flughäfen führen.

"Es gab nur das Angebot, die Einmalzahlung von 70 auf 110 Euro zu erhöhen", sagte Gager nach den Verhandlungen. Die von den Arbeitgebern angebotene Lohnerhöhung von 2,1 Prozent sei aber "zu wenig" - angesichts einer Jahresinflation von 2,9 Prozent, sagte der Belegschaftsvertreter, der auch der zuständigen Gewerkschaft Handel, Transport, Verkehr (HTV) angehört.

Termin für Betriebsversammlungen noch offen
Genaue Termine für die österreichweit geplanten Betriebsversammlungen - am Flughafen Wien-Schwechat und an den Bundesländerflughäfen Linz, Graz, Salzburg, Innsbruck und Klagenfurt - wurden noch nicht genannt, hierbei seien noch gewisse Fristenläufe und Einspruchsfristen zu beachten, hieß es. Man wolle aber koordiniert vorgehen, sagte Gager. Geplant seien "flächendeckende Mitarbeiterversammlungen" im Zeitraum ab kommender Woche bis etwa Mitte Juni.

Über Verlauf und allfällige Beschlüsse dieser Versammlungen werde die Belegschaft entscheiden. Begriffe wie "Kampfmaßnahmen" oder gar "Streik" wollte der Betriebsrat nicht in den Mund nehmen, er könne aber auch kein Mittel ausschließen, sagte der Gewerkschafter.

Ein neuer Gesprächstermin der Verhandlungspartner ist nicht vereinbart, nachdem die KV-Verhandlungen heute ohne Ergebnis abgebrochen wurden. Ob und wann weiter gesprochen wird, ist damit offen. Die Betriebsversammlungen sollen aber in jedem Fall stattfinden, hieß es.

Der letzte Kollektivvertrag für die Arbeiter an österreichischen Flughäfen ist Ende April ausgelaufen. Auf Seiten der Arbeitgeber nahmen die Flughafen Wien-Vorstände Christian Domani, Gerhard Schmid sowie namhafte Vertreter der Bundesländer-Flughäfen teil.
(apa)

1.6.2005 19:57