Mittwoch, 1. Juni 2005

Arbeitslosigkeit steigt unaufhörlich: Im Mai
um 3,6 Prozent höher als vor einem Jahr!

  • 274.919 ohne Job sind die höchste Mai-Quote seit '98
  • Höchster Anstieg bei Frauen, Rückgang einzig in Wien

Der Anstieg der Arbeitslosigkeit hat sich im Mai weiter beschleunigt. Mit 274.919 Jobsuchenden (inklusive Schulungen) waren im abgelaufenen Monat 3,6 Prozent oder 7.857 Personen mehr arbeitslos gemeldet als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die vorläufige Arbeitslosenquote (nationale Berechnung) erhöhte sich im Vormonat um 0,2 Prozentpunkten auf 6,5 Prozent. Das war die höchste Mai-Quote seit sieben Jahren.

Stark zugenommen hat die Arbeitslosigkeit bei Frauen und Jugendlichen, teilte das Wirtschafts- und Arbeitsministerium am späten Mittwochnachmittag mit. In Schulung befanden sich im abgelaufenen Monat 51.567 Personen, neuerlich ein Zuwachs von 21 Prozent. In Summe waren damit in Österreich zuletzt 274.919 Personen auf Jobsuche.

Als Gründe für den erhöhten Zuwachs der Mai-Arbeitslosen nennt Arbeitsminister Martin Bartenstein (V) die "verhaltene konjunkturelle Entwicklung, den Anstieg der Arbeitslosigkeit im Tourismus sowie den weiterhin starken Zustrom von Arbeitskräften aus Deutschland". SPÖ und Grüne dagegen sprechen von Regierungsversagen. Während in 17 von 25 EU-Staaten die Arbeitslosenquote in den vergangenen fünf Jahren gesunken sei, sei sie in Österreich stetig gestiegen, meinte SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures, die auch lautstark Kritik am Zeitpunkt der Veröffentlichung kurz vor Redaktionsschluss der Zeitungen übte.

Die österreichische Arbeitslosenquote nach EU-Berechnung lag im Mai unverändert bei 4,6 Prozent. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote in den 25 Staaten der EU betrug nach jüngsten verfügbaren Daten im März 2005 8,9 Prozent.

ÖGB schießt sich auf Rauch-Kallat ein
Die Gewerkschaft (ÖGB) schoss sich inzwischen auf Frauenministerin Maria Rauch-Kallat (V) ein. "Ich erwarte mir, dass Frauenministerin Rauch-Kallat nicht weiterhin 'nobel' schweigt, sondern umgehend den von ihr vor Wochen angekündigten Frauenarbeitsgipfel einberuft", erklärte ÖGB-Frauenvorsitzende Renate Csörgits. Die Frauen-Arbeitslosigkeit erhöhte sich zuletzt im Mai um 5,1 Prozent, bei den Männern gab es dagegen nur einen Zuwachs von 2,4 Prozent. Laut AK-Chef Herbert Tumpel ist die Zahl der arbeitssuchenden Wiedereinsteigerinnen innerhalb eines Jahres um ein Drittel von 12.600 auf fast 17.000 gestiegen.

Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit
Die Jugendarbeitslosigkeit nahm im Mai gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 8,7 Prozent oder 2.862 Jugendliche zu. Weiter vergrößert hat sich im Mai auch die Lücke am Lehrstellenmarkt. Die Zahl der Lehrstellensuchenden erhöhte sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum erneut um 28,3 Prozent oder knapp 1.000 Suchende auf 4.353 Jugendliche. Bei den gemeldeten offenen Lehrstellen gab es dagegen nur einen Zuwachs von 62 Stellen oder 2,7 Prozent auf 2.400. Um eine offene Lehrstelle bemühen sich damit statistisch betrachtet derzeit 1,8 Jugendliche.

Die Altersarbeitslosigkeit der über 49-Jährigen hat dagegen leicht um 0,4 Prozent auf 42.313 Beschäftigungslose abgenommen. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen mit einer Vormerkdauer über einem Jahr sank zuletzt kräftig um 43,3 Prozent auf 9.144 Personen. Die durchschnittliche Verweildauer in der Arbeitslosigkeit blieb gegenüber dem Vorjahr konstant bei 111 Tagen.

Generell hatte der Fremdenverkehr den größten Beitrag zum Anstieg der Mai-Arbeitslosen zu verantworten (plus 1.678 Personen oder 4,5 Prozent). Prozentuell verzeichnete das AMS freilich im Gesundheits- und Sozialwesen die stärksten Zuwächse. Dort erhöhte sich die Zahl der Arbeitslosen um 520 Personen oder 8,0 Prozent. Das zweite Monat in Folge ist dagegen die Zahl der vorgemerkten Personen am Bauwesen leicht rückläufig (minus 369 Personen oder 1,4 Prozent). Ähnliches gilt für die Öffentliche Verwaltung (minus 106 Personen, -1,7 Prozent).

Einzig Wien mit Minus, Vorarlberg mit größtem Plus
Als einziges Bundesland konnte im Vormonat Wien einen Rückgang der Arbeitslosigkeit um 2,1 Prozent verbuchen, wobei dies laut Arbeitsministerium vor allem auf deutlich mehr Schulungen (plus 40 Prozent) zurückzuführen war. In Vorarlberg gab es dagegen auch ohne Schulungen einen dramatischen Zuwachs der Arbeitslosigkeit um 14 Prozent.

Im Österreichvergleich überdurchschnittlich gestiegen ist auch die Zahl der Jobsuchenden in der Steiermark (plus 8,4 Prozent) und in Tirol (plus 7,6 Prozent). In Niederösterreich erhöhte sich die Zahl der Arbeitslosen um 6,5 Prozent, in Oberösterreich um 6,0 Prozent, in Kärnten um 5,9 Prozent und im Burgenland um 5,4 Prozent. In Salzburg war die Zunahme der Arbeitslosigkeit mit plus 2,2 Prozent im Vergleich zur bundesweiten Entwicklung unterdurchschnittlich.
(apa)

1.6.2005 17:56