Montag, 30. Mai 2005

BA-CA-Mutter vor Übernahme: HVB bestätigt Verhandlungen mit UniCredito

  • Bisher noch keine Vereinbarung zu Zusammenführung
  • Europaweit würde neue Nummer vier entstehen

Knapp war das Statement, zu dem sich die bayerische HypoVereinsbank (HVB) und ihr italienischer Verhandlungspartner UniCredito gezwungen sahen: Beide Banken bestätigten nach wochenlangen Spekulationen offiziell "Gespräche über eine mögliche Zusammenführung" ihrer Unternehmen.

Damit sind die kolportierten Fusionsverhandlungen amtlich: Die italienische Großbank UniCredito will mit einer milliardenschweren Übernahme die nach Bilanz noch größere deutsche HypoVereinsbank schlucken. Kommt die Fusion zu Stande, wäre es der größte grenzüberschreitende Deal in Kontinentaleuropa. In Italien ist die Rede von einer Kontroll-Holding für die HVB, andere sehen Holdingkonstruktionen auch für die Bank Austria Creditanstalt (BA-CA).

Der größte HVB-Aktionär, der weltweitgrößte Rückversicherer Münchener Rück erklärte heute, sinnvollen Konsolidierungsschritten nicht im Wege stehen zu wollen. Das gilt als offizielles grünes Licht. Nach einer Fusion würde mit einer Marktkapitalisierung von über 40 Mrd. Euro eine der größte Banken Europas entstehen, nach bisherigen Werten wäre sie Nummer vier. Die Börse Wien würde im Fall eines Übernahmeverfahrens auch für den Streubesitz die BA-CA ein weiteres Mal verlieren.

Über eine Fusion gibt es seit Monaten Spekulationen; die Zeichen dafür hatten sich letzte Woche verdichtet. Das "Wall Street Journal" hatte am Freitag gemeldet, die Gespräche seien fortgeschritten. Eine Kaufsumme von 16 Mrd. Euro sei im Gespräch, die UniCredito für die Deutschen bieten wolle, zum allergrößten Teil über Aktientausch.

UniCredito war 2004 die profitabelste Bank Italiens. Der Gewinn stieg um 9 Prozent auf 2,13 Mrd. Euro. Dabei gelang es der UniCredito anders als der HVB (über die BA-CA) nicht nur Geld in den Wachstumsmärkten Osteuropas zu verdienen, sondern auch daheim. Auch für die Italiener ist der Ostmarkt profitabel: UniCredito ist durch geschickte Übernahmen mittlerweile unter anderem Marktführer in Polen, Kroatien und Bulgarien.

Die HVB ist zwar deutlich größer als UniCredito. Die italienische Bank ist an der Börse mit zuletzt rund 26,2 Mrd. Euro aber erheblich mehr wert als die HVB. Deren Marktwert liegt bei etwa 15 Mrd. Euro.

Die HVB hatte zwischen 2002 und 2004 wegen Abschreibungen auf Anlagen, Wertberichtigungen auf Problemkredite sowie Problemen im Deutschland-Markt einen Verlust von rund 6 Mrd. Euro angehäuft. Gut verdient hat vor allem die Tochter Bank Austria Creditanstalt (BA-CA), durch ihr boomendes Osteuropa-Business ein "Filetstück" auch für die Italiener.

Analysten spekulierten bereits, ob die Italiener lediglich an der Bank Austria Creditanstalt interessiert seien. Die Frage sei, ob es sich für UniCredito lohnen könnte, die Bank Austria abzuspalten und den Rest zu verkaufen, sagte Analyst Konrad Becker vom Bankhaus Merck Finck heute.

Die Bankengruppe hätte in Ost- und Südosteuropa zusammen etwa 2.300 Filialen und rund 48.000 Mitarbeiter, davon 18.000 in den BA-CA-Osttöchtern.

Nicht zum ersten Mal schaut UniCredito-Chef Alessandro Profumo nach Deutschland und nach Österreich. Schon 2001 hatte er einen Expansionsversuch nach "Germania" unternommen, damals ging es um die Commerzbank. Nachdem die Übernahme wegen der negativen Reaktion der Börse wieder aufgegeben wurde, könnte den Mailändern der Sprung über die Alpen jetzt im zweiten Anlauf gelingen. Im Jahr 2000 hatten die Italiener auch auf die Bank Austria ein Auge geworfen. Sie zogen ihr Interesse aber zurück, als die HVB auf dem Heiratsmarkt für die Wiener Großbank auftauchte.

Das Osteuropa-Geschäft der HypoVereinsbank über ihre Tochter Bank Austria ist deshalb für die UniCredito der eigentliche Leckerbissen: "Das ist für Unicredito-Chef Alessandro Profumo ein Pluspunkt, der Appetit macht", schrieb "Il Sole 24 Ore". "Durch eine Fusion mit HVB würde UniCredito seine Führungsposition in dem Gebiet stärken und sie wahrscheinlich vor dem Wachstum anderer interessierter Konkurrenten in Sicherheit bringen."

Das 1998 aus der Fusion der Regionalbank Credito Italiano und der Sparkassenholding UniCredito (Cariverona, Cassamarca und CRT) hervorgegangene Institut konnte 2004 mit über zwei Milliarden Euro den höchsten Nettogewinn seiner Geschichte verbuchen. Im ersten Quartal 2005 steigerte UniCredito den Gewinn erneut um knapp 49 Prozent auf 693 Mio. Euro - ein Ergebnis, das auch die optimistischsten Markterwartungen übertraf. Erst Anfang des Jahres haben die Mailänder für eine Milliarde Euro 57 Prozent der türkischen Bank Yapi Kredi gekauft - und sich so zur führenden Privatbank in dem Land am Bosporus gemausert. (apa/red)

30.5.2005 15:09