Freitag, 3. Juni 2005

Nach 0:1-Austrutscher gegen die Ukraine: Griechen droht der WM-Zug davonzufahren!

  • Schewtschenko und Co. sind schon so gut wie durch
  • Auch für Niederlande und Tschechien sieht es gut aus

Von den 14 europäischen Startplätzen für die Fußball-WM 2006 in Deutschland ist genau ein Jahr vor dem Mega-Event nur einer - an den Gastgeber - fix vergeben. Doch der Mittwoch mit 13 Spielen und 40 Toren (Schnitt 3,07) trennte auf dem Alten Kontinent weiter die Spreu vom Weizen. Dem Ziel der Teilnahme mehr oder weniger näher rückten die Niederlande, Tschechien und vor allem die Ukraine.

Während die Oranjes und der Österreich-Nachbar (mit dem Neo-Salzburger Lokvenc) in Gruppe eins durch Kantersiege (4:0 in Finnland bzw. 6:1 gegen Mazedonien) ihre Eins-Zwei-Positionen festigten, machten die Osteuropäer einen gewaltigen Schritt zur Realisierung ihres WM-Debüts. Mit dem 1:0 in Piräus gegen Europameister Griechenland baute die Truppe von Teamchef Oleg Blochin ihre Tabellenführung im Pool zwei aus.

Trauerstimmung in ganz Griechenland
Andrej Gusin stieß nach einem schweren Stellungsfehler von Basinas mit seinem Goldtor neun Minuten vor dem Ende entgegen dem Spielverlauf die WM-Türe ganz weit auf. Nach dem Abpfiff sanken die EM-Helden vor 32.000 Zuschauern enttäuscht zu Boden, warf ihr Teamchef Otto Rehhagel seine Wasserflasche weg, rutschte die Stimmung im ganzen Land in den Keller. Elf Monate nach dem größten Triumph stehen die Hellenen vor dem K.o.

"Der Traum erlischt", schrieb die Zeitung "Kathimerini" nach der bitteren Niederlage. Dass ausgerechnet der Erzrivale und WM-Dritte Türkei von der Pleite profitierte und dank des 6:0 in Kasachstan nun die klar bessere Karten auf den zweiten Tabellenplatz besitzt, passt ins düstere blauweiße Bild des Olympia-Gastgebers. Die Türken stürmten auf den zweiten Rang vor, haben einen Punkt mehr und die klar bessere Tordifferenz.

Rehhagel: "Werden um den zweiten Platz kämpfen"
Dennoch flüchtet sich "König Rehakles" in Durchhalteparolen. "Noch ist nichts verloren. Das hab' ich meinen Spielern auch gesagt. Solange die Chance noch da ist, werden wir um den zweiten Platz kämpfen", meinte der Deutsche, der vom Verband Rückendeckung ("Er darf bleiben, solange er will") erhielt. Auch wenn "die Hoffnung zuletzt stirbt" (Zeitung Eleftheros Typos), selbst die Spieler machen sich nichts vor.

"Es ist für uns sehr schwierig geworden, 2006 nach Deutschland zu kommen", stellte Abwehrspieler Panagiotis Fyssas fest. Viele Gazetten, die Rehhagel und seine Mannen nach Portugal in den Olymp gehoben hatten, fordern jetzt dringend neue Kräfte. "Wir wollen Rehhagel nicht sagen, was er machen soll. Wir glauben jedoch, dass das Team frischer werden muss. Die Spieler gibt es", hieß es im Staatlichen Rundfunk, der von den Blättern "Athlitiki" und "Eleftherotypia" unterstützt wird.

Jubel, Trubel, Heiterkeit herrschte hingegen im Lager der Ukraine, die nur noch ein Sieg von der ersten WM-Teilnahme trennt. Nach der Sommerpause, die bis 17. August dauert, könnte es am 3. September in Georgien für den noch ungeschlagenen Spitzenreiter schon so weit sein. Die Vorfreude im Land steigt und steigt, der Sekt darf für einen weiteren denkwürdigen Tag jedenfalls bereits eingekühlt werden.

Portugal in Gruppe drei weiter vorne
In Gruppe drei verteidigte Portugal durch das hauchdünne 1:0 (Tor C. Ronaldo) in Estland den ersten Rang und die drei Punkte Vorsprung auf die Slowakei erfolgreich. Die Slowaken mit dem Rapidler Hlinka, der die ersten 45 Minuten im Einsatz war, gewannen in Luxemburg klar 4:0. Der lettische GAK-Legionär Bleidelis (90 Min. im Einsatz) fixierte mit seinem Tor gegen Liechtenstein den 1:0-Heimsieg. Irland löste im Pool 4 mit dem 2:0 auswärts gegen Schlusslicht Färöer die Schweiz als Tabellenführer ab.

Kein Treffer fiel zwischen Weißrussland und Schottland in Gruppe fünf und kein Spiel fand in der Österreich-Gruppe (6) statt. In Valencia (7) ging's zur mitternächtlichen Stunde zwischen Spanien und Bosnien-Herzegowina heiß her. Die Gäste, deren Bregenz-Keeper Tolja über sich hinauswuchs und die den Austrianer Papac aber nicht aufboten, verloren im Finish zwei Mann durch Ausschluss, nicht aber die Partie (1:1). Lokalmatador und Innenverteidiger Marchena rettete den Iberern, die nach 16 Partien erstmals ein WM-Quali-Heimspiel nicht gewannen, in der Nachspiel den Punkt, der zum Sprung auf Tabellenplatz eins genügte.

(apa)

3.6.2005 14:40