Diskussion um Videobeweis im Tennis entflammt: Roger Federer strikt dagegen
- Wimbledon-Siegerin Scharapowa: "Das ist großartig"
Nach dem Fußball ist auch im Tennis eine Diskussion über die Einführung des Videobeweises entbrannt. Die Organisatoren der US Open planen, dass die Schiedsrichter heuer erstmals mit Hilfe der Technik strittige Entscheidungen klären können. Jeder Spieler soll bis zu drei Mal pro Satz einen Punkt anfechten dürfen. Während sich der Schweizer Roger Federer zum Wortführer der Traditionalisten aufgeschwungen hat und strikt dagegen argumentiert, plädieren andere Spieler für die Neuerung.
"Es wäre doch interessant, wenn der Schiedsrichter zeigen kann, was genau passiert ist", meinte der spanische Jungstar Rafael Nadal. Auch Maria Scharapowa befürwortet die Einführung des Videobeweises. "Das ist großartig. Kein Spieler kann mehr sagen: Der Schiedsrichter hat mich um den Sieg betrogen. Es gibt keine Entschuldigungen mehr. Das Spiel kann fairer werden, wenn die Technik genau ist", sagte die Wimbledonsiegerin aus Russland.
Für Federer indes gehören menschliche Irrtümer zum Sport. "Ich bin absolut dagegen. Lasst die Menschen auf dem Tennisplatz. Man kann sich doch jetzt auch mit den Schiedsrichtern streiten", sagte der Weltranglistenerste. Als der US-Open-Turnierdirektor Jim Curley in Paris auf PR-Tour für die im Fernsehen schon länger angewandte Technologie war, hat Federer ihm seine Ablehnung deutlich gemacht und auf ein weiteres Problem hingewiesen: "Ich habe ihm gesagt, dass man auch an die anderen Turniere denken muss. Wie viel Geld dafür hinaus geworfen wird. Das können wir für andere Dinge brauchen als für diese paar Entscheidungen pro Satz."
Während Federer bei den French Open kaum einmal den Abdruck eines Balls überprüfen lässt, ist für andere Spieler das Reklamieren von Linienrichter-Entscheidungen zum zweiten Sport geworden. Beim Spiel zwischen Nadal und dem Franzosen Sebastien Grosjean kam es am Sonntag zu einem Eklat, weil sich der argentinische Stuhl-Schiedsrichter Damien Steiner weigerte, einen von Grosjean reklamierten Ball zu überprüfen. Die für ihre Unsportlichkeit bekannten Pariser Zuschauer sorgten mit lautem Gejohle und ohrenbetäubenden Pfiffen dafür, dass das Match fast zehn Minuten unterbrochen werden musste. In diesem Moment wünschte sich Steiner wohl sehnlichst eine Zeitlupe, um zu beweisen, dass er im Recht war.
Noch wird das System getestet. Zum Einsatz kommen soll es im Juli bei der World-Team-Tennis-Serie in den USA. Für die Weltranglistenerste Lindsay Davenport ist die Zuverlässigkeit das Hauptproblem. "Die Spieler müssen sich darauf verlassen können, dass es hundertprozentig genau ist. Aber ich habe gehört, dass sie mit der Technik noch nicht so weit sind. Bei den jetzigen Geräten sind wohl Abweichungen von bis zu fünf Millimetern möglich", sagte die noch unentschlossene US-Amerikanerin, die letztlich aber genau wie Federer gegen diese Art von Reformen ist: "Wir stehen auf dem Platz, um Tennis zu spielen, und nicht, um uns über Schiedsrichter- Entscheidungen aufzuregen."
(apa)
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