Klage beim Europäischen Gerichtshof:
Cole & Chelsea wollen neues Bosman-Urteil
- Statuten in England seien nicht vereinbar mit EU-Recht
- Grund: Strafen wegen heimlicher Vertragsverhandlungen
Der englische Teamspieler Ashley Cole strebt mit einer Klage beim Europäischen Gerichtshof ein neues "Bosman-Urteil" an und will mehr Macht für die Fußball-Profis erkämpfen. Der Abwehrspieler vom Arsenal reagiert damit auf die von der Premier League verhängten Rekordstrafen gegen ihn, den englischen Meister Chelsea und dessen Trainer Jose Mourinho.
Wegen verbotener, heimlicher Vertragsverhandlungen muss Chelsea rund 450.000 Euro Strafe zahlen, Mourinho wird mit 300.000 Euro und Cole mit 150.000 Euro zur Kasse gebeten.
"Dieses Urteil geht von einer Arbeitsbeziehung wie bei den Herren und Sklaven vor über 100 Jahren aus", ärgerte sich Coles Anwalt Graham Shear und kündigte eine "sofortige Berufung bis zur letztinstanzlichen Klärung" an. Seiner Meinung nach sind die Regeln der englischen Fußball-Liga nicht vereinbar mit europäischem Recht. Nach den Statuten der Premier League darf sich ein Profi nicht zu Vertragsverhandlungen mit einem anderen Verein treffen, ohne die Erlaubnis seines aktuellen Arbeitgebers zu haben.
"Der Rechtsstreit könnte Cole zum englischen Bosman machen", meinte der "Daily Mirror". Denn sollte Cole seine Androhung tatsächlich wahr machen und den Weg durch die Instanzen gehen, dann könnte das Urteil sogar über die Grenzen des Fußballsports hinausgehende Folgen haben. Bekäme der 24-jährige Verteidiger Recht, dann dürften sich künftig Fußballer jederzeit mit anderen Klubs zu Verhandlungen treffen. Was heutzutage zwar gängige Praxis, zumindest in England aber verboten ist.
Viel gravierender wären jedoch die Auswirkungen, falls die europäischen Richter die Regeln der Premier League als rechtens erklären würden. "Das würde im Prinzip die komplette Headhunter-Branche aushebeln", erklärte die "Times". Denn dann dürfte auch in der freien Wirtschaft kein Angestellter mit langfristig gültigem Vertrag abgeworben werden.
Im vorliegenden Fall hatte sich Chelsea mit Cole vom Lokalrivalen Arsenal in einem Londoner Hotel zu "einem Kaffeekränzchen, das 900.000 Euro kostete" ("Times"), getroffen. "Die Rekordstrafen mögen schlagzeilenträchtig sein, aber für die beteiligten Personen sind sie bedeutungslos, trotz der lächerlichen Absicht, in Berufung zu gehen", meinte der "Daily Telegraph". "Nur ein Punktabzug hätte eine wirkliche Bestrafung dargestellt." Die "Sun" rechnete vor: "Die Geldstrafe ist weniger, als es Chelseas Boss Abramowitsch kostet, seine drei Yachten vollzutanken."
(apa/red)
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