USA räumen Missbrauch ein: Aufseher in Guantanamo bespritzten Koran mit Urin
- Die Aufseher trampelten auch auf der Schrift herum
- Entweihungen seien "äußerst seltene Vorkommnisse"
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Das US-Militär hat Details über die Koran-Entweihungen im Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba veröffentlicht. Soldaten und Verhörbeamte hätten das heilige Buch der Moslems mit Wasser und Urin beschmutzt und getreten, geht aus dem Untersuchungsbericht von Brigadegeneral Jay Hood hervor, der in Miami veröffentlicht wurde.
Die Untersuchung habe in fünf Fällen Beweise ergeben, dass der Koran respektlos gehandhabt wurde, berichtete Hood. Teilweise sei dies absichtlich geschehen, teilweise aus Versehen. Entweihungen des Korans seien in Guantanamo "äußerst seltene Vorkommnisse".
Der Abscheu erregendste Fall ereignete sich demnach im März diesen Jahres, als ein Koran-Examplar versehentlich mit Urin bespritzt wurde. Ein Wachsoldat hatte nach diesen Angaben in der Nähe eines Luftschachtes uriniert. Der Wind habe den Urin durch den Schacht in den Zellenblock getragen. Dort seien ein Gefangener und die religiöse Schrift beschmutzt worden. Der Gefangene habe neue Häftlingsbekleidung und einen neuen Koran erhalten. Der Soldat sei versetzt worden und habe danach keinen Kontakt mehr mit Gefangenen gehabt.
In einem anderen Fall waren Ausgaben des Buches nass geworden, weil Soldaten nachts mit Wasserballons warfen. In zwei Fällen war auf Koran-Ausgaben getreten worden. In der englischen Ausgabe eines Koran-Exemplars war eine obszöne Bemerkung an den Rand gekritzelt. Hood betonte, es sei unklar, ob dies von einer der Wachen oder von dem Gefangenen selbst geschrieben wurde.
Auch für den von Moslems weltweit mit Empörung aufgenommenen Vorwurf, ein Koran sei die Toilette heruntergespült worden, fand der Brigadegeneral nach eigenen Angaben Anhaltspunkte: Allerdings habe ein Gefangener selbst versucht, das Buch auf diese Weise zu zerstören. Hood dokumentierte 14 weitere Fälle, in denen Gefangene das ihnen heilige Buch selbst entweiht hätten. Einer habe auf den Koran uriniert, ein anderer habe Seiten herausgerissen.
Die Zeitschrift "Newsweek" hatte Anfang Mai berichtet, Wachen hätten den Koran die Toilette heruntergespült. In moslemischen Ländern hatte das Empörung ausgelöst, die in Afghanistan und Pakistan in Gewalt ausarteten. 17 Menschen kamen dabei ums Leben.
Das Magazin zog den Artikel später zurück, weil der Beamte, auf dessen Aussage sich ein Reporter berufen hatte, bei Nachfragen von seiner ursprünglichen Version abwich. Das Blatt stellte aber klar, dass sie das nicht als Beweis sah, dass der Vorfall nie stattgefunden hatte. So hätten auch aus Guantanamo entlassene Gefangene berichtet, Wachen hätten den Koran die Toilette hinuntergespült.
Das US-Militär hält auf dem Stützpunkt rund 550 Männer ohne Anklageerhebung und Gerichtsverfahren unter Terrorverdacht fest. Die meisten wurden 2001 und 2002 in Afghanistan und im Irak festgenommen und werden dort unter weltweitem Protest ohne Anklage festgehalten. Mehrere Dutzend wurden inzwischen freigelassen. Die USA betrachten die Männer als "gesetzlose Kämpfer", denen kein Schutz als Kriegsgefangene zusteht.
Der britische Kronanwalt Lord Peter Goldsmith hatte den USA wegen der Behandlung der Guantanamo-Häftlinge vorgeworfen, gegen elementare Grundsätze des Rechtsstaates zu verstoßen. Der mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete ehemalige US-Präsident Jimmy Carter hatte in einem Beitrag für die "Washington Post" über Guantánamo geschrieben: "All das passt zu Unrechtsstaaten, die von amerikanischen Präsidenten in der Vergangenheit immer verurteilt worden sind." (apa)
