Samstag, 4. Juni 2005

Alle vs. Arnie: NEWS über den drohenden Absturz von 'Gouvernator' Schwarzenegger!

  • Steirische Eiche nach Dauerprotesten im Umfragetief
  • Die Opposition rüstet sich schon zum Sturz von Arnie

Vom steirischen Body-Builder über Hollywood zum Gouverneur - die Karriere von Arnie verlief wie im Bilderbuch. Doch jetzt steht der österreichische Polit-Export unter Feuer. Kaliforniens Polit-Shooting-Star Arnold Schwarzenegger ist nach Dauerprotesten im totalen Umfragetief. Die Opposition rüstet schon zum Sturz des "Gouvernators".

Mit einem Zwischenwahlkampf versucht sich Kaliforniens "Gouvernator" Arnold Schwarzenegger aus dem Umfragetief zu befreien. Bei einem Volksschulbesuch zur Propagierung seiner Bildungsreform freut er sich darüber, dass die Taferlklassler seinen sperrigen Namen richtig buchstabieren. "Das schaffen die wenigsten Erwachsenen", witzelt er zum Gaudium der Kids in die TV-Kameras, die natürlich dabei sind, wenn Arnie in seine Starrolle als "Kindergarten Cop" schlüpft. Eine Stunde später preist Arnie - diesmal ganz ernsthafter Politiker - sein "Jahr der Reformen". "Die Bürger wollen keine Politiker, die aus egoistischen Motiven den Fortschritt verhindern", ruft er in die Menge. Es folgt ein Interviewmarathon für die wichtigsten Sender, vom nationalen Frühstücksfernsehen bis zum lokalen "Talk Radio".

Absturz nach Traumstart
Viel Einsatz ohne Nutzen. "Nichts funktioniert", schreibt die "L. A. Times". Arnold Schwarzenegger, 57, der noch vor wenigen Monaten wegen seines politischen Traumstarts umjubelt und sogar für das Präsidentenamt gehandelt wurde, ist völlig außer Tritt geraten:

  • Seit Anfang Februar stürzte Arnies Popularität von 65 auf 40 Prozent.

  • Innerhalb seines Stabes tobt ein Krieg um den Kurs: Kennedy-Clan-Gattin Maria Shriver kann sich gegen die stramm rechten Ideologen, die Arnies Vorgänger das Amt gekostet hatten, immer seltener durchsetzen. Auf der PR-Tour für ihr jüngstes Buch kämpft sie unverdrossen für ihren Mann.

  • Die demokratische Mehrheit im Parlament, im Vorjahr durch Arnies Beliebtheit paralysiert, hat plötzlich Blut geleckt. "Täglich wird der Gouverneur angreifbarer", sagt Demokraten-Vorsitzender Art Torres im NEWS-Interview und rechnet sich Chancen auf einen Wechsel 2006 aus.

  • Arnies Exkollegen aus Hollywood greifen ihn frontal an: Der liberale Warren Beatty geißelte die "reaktionäre Agenda" des Austroamerikaners. Megaproduzent Rob Reiner ("First Wives Club") stellte eine Kandidatur in Aussicht.

  • Auch Arnies Vergangenheit holt ihn wieder ein: In seinem soeben erschienenen Buch "Fantastic" beschreibt Biograf Laurence Leamer die Bewunderung des jungen Bodybuilders für Adolf Hitlers Rednergabe. "Arnold glaubte, Amerika benötige einen großen Führer mit den messianischen Talenten Hitlers - für das Gute statt das Böse."

    Ausgerechnet eine kleine Gewerkschaftsführerin hat Arnie in die schlimmste Krise seiner Amtszeit stürzen lassen: Rose Ann DeMoro, 56, Vorsitzende der 50.000 Mitglieder zählenden Krankenschwesterngewerkschaft "California Nurses Association". Bei einer Veranstaltung am 7. Dezember des Vorjahres sei er "völlig ausgerastet", erzählt sie im NEWS-Gespräch. 10.000 Frauen hatte Arnie zur Politur seines durch Machoposen und Grapschvorwürfe etwas ramponierten Images bei Frauen geladen, darunter Talkqueen Oprah Winfrey. Als eine Gruppe demonstrierender Nurses Transparente enthüllte, dröhnt er: "Das sind die Interessengruppen, denen ich jeden Tag in den Arsch trete." Ein verhängnisvoller Fehler. "So geht man nicht um mit schwer arbeitenden Frauen, die für die Interessen der Kranken kämpfen", entrüstete sich DeMoro vor laufenden TV-Kameras. Die meisten Leitartikler sahen das genau so. Mit großer medialer Unterstützung folgen die kampflustigen Nurses dem Gouverneur seither zu jedem öffentlichen Auftritt, um ihn mit Pfeifkonzerten, Sprechchören und Transparenten zu stören, während ein gemieteter und "Air Arnold" getaufter Hubschrauber mit dem Spruchband "California is not for sale" über den Köpfen kreist. Rasch schlossen sich andere Berufsgruppen, denen Arnie die Gürtel enger schnallen wollte, der "Massenbewegung" (DeMoro) an: Feuerwehrleute, Polizisten und Lehrer trommeln gegen die "soziale Kälte" und die "unverschämte Umverteilung zu Lasten der Kleinen". DeMoro ist stolz auf ihren Erfolg: "Wir haben die freundliche Maske vom reaktionären Gesicht gerissen."

    Warten auf Wunder
    "Vieles ist nicht Arnies Schuld", argumentiert der prominente Politologe Shaun Bowler von der Uni UC Riverside: "Durch all den Hollywoodglanz und die Jubelberichte in den Medien haben sich die Kalifornier am Ende Wunder erwartet. Und jetzt muss er als Irdischer gegen die Probleme kämpfen, die Vorgänger Gray Davis das Amt kosteten." Durch die Aufnahme eines 15-Milliarden-Dollar-Kredits im Vorjahr war die Budgetkrise nur aufgeschoben, aber nicht gelöst worden. Der Schuldenstand der fünfgrößten Volkswirtschaft der Erde hat sich während Arnies Amtszeit um 40 Prozent erhöht. "Während das Land in die Pleite schlittert, bringen sich Arnies einstige Mitstreiter aus dem Lager der Demokraten in Sicherheit", analysiert Mark Baldassare vom Public Policy Institute of California.

    Arnies Arroganz beschleunigte den Absturz: Während er zu Beginn seiner Amtszeit Oppositionspolitikern bei Rotwein und guten Zigarren Kompromisse abrang, setzt er jetzt auf Konfrontation: Mithilfe einer Volksabstimmung will er den Kongress umgehen, um seine Reformen durchzusetzen, die Grenzen der Wahlbezirke zu verändern, einen Plafond für die Staatsausgaben einzuziehen und die Bezahlung der Lehrer zu reduzieren.

    Steigende Einnahmen
    Dass Arnie sich trotz allem Hoffnungen machen darf, liegt an Kaliforniens wieder erstarkter Wirtschaft. Sechs Milliarden Dollar zusätzlicher Steuereinnahmen werden in diesem Jahr in die Staatskasse fließen. Stolz verweist Arnie auf 250.000 neu entstandene Jobs. "Arnie kommt wieder", sagt George Linder, Produzent von "Running Man", voraus. "Dann wird es Kompromisse geben."

    Die gesamte Story lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von NEWS!

    4.6.2005 14:21