Friedensprozess im Nahost geht voran:
Israel setzt Palästinenser-Freilassung fort
- Rund 400 palästinensische Häftlinge wurden entlassen
- Am 21. Juni werden sich Sharon & Abbas erneut treffen
Israel hat am Donnerstag zwei Signale für eine Belebung des Nahost-Friedensprozesses gesendet: Mit der Freilassung von rund 400 palästinensischen Gefangenen erfüllte Ministerpräsident Ariel Sharon einen Teil der Waffenstillstandsvereinbarung mit dem palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas vom 8. Februar. Zudem wurde bekannt gegeben, das Sharon und Abbas zum ersten Mal seit jenem Gipfel von Sharm el Sheikh am 21. Juni erneut zusammenkommen werden.
Die palästinensische Regierung versicherte, dass der Termin nicht von einer stationären Behandlung des 69-jährigen Abbas am Mittwoch gefährdet sei. Abbas hatte sich in Amman nach Angaben von Ärzten einen Herzkatheter legen lassen. Beim Verlassen des Krankenhauses am Donnerstag sagte er, er fühle sich "einfach gut".
Unter den 398 an verschiedenen Grenzübergängen freigelassenen Palästinensern befanden sich erstmals auch rund 90 Häftlinge, die erst einen geringen Teil ihrer Strafe verbüßt hatten. Die Palästinenser hatten bei früheren Freilassungsaktionen kritisiert, dass zum überwiegenden Teil wegen geringer Delikte Verurteilte sowie Gefangene freigekommen seien, die ohnehin kurz vor der Haftentlassung gestanden hätten.
Sichtlich erleichtert stiegen die entlassenen Häftlinge am Mittag aus den Transportbussen, die sie von einem Gefängnis im Süden Israels an einen Kontrollpunkt an der Grenze zum Westjordanland nahe der Stadt Ramallah gebracht hatten. Viele spreizten ihre Finger zum "V", dem Zeichen des Sieges, als sie wartende Verwandte begrüßten. Einige knieten zum Gebet nieder, andere küssten den Boden. Freigelassene wurden auf Schultern getragen und Gewehrsalven zur Begrüßung in die Luft gefeuert.
Trotz der Jubelstimmung wurde auch an die verbliebenen palästinensischen Gefangenen erinnert. "Ich bin glücklich frei zu sein, aber Tausende andere sind immer noch hinter Gittern", sagte der 31-jährige Yussef Habas, der sechs Monate in israelischer Haft verbracht hatte.
Der palästinensische Unterhändler Sajeb Erakat verwies darauf, das Schätzungen zufolge noch 8.000 Palästinenser in israelischen Gefängnissen seien: "Ich denke, heute sind 400 Familien glücklich und ich hoffe, dass wir die anderen 8.000 auch noch glücklich machen können". Kurz nach dem Gipfel von Sharm el Sheikh im Februar waren vereinbarungsgemäß 500 Häftlinge freigelassen worden. Der zweite Schritt wurde nach Anschlägen immer wieder verschoben.
Von dem bevorstehenden Gipfel im Juni werden Fortschritte bei der Koordination des von Sharon angekündigten israelischen Abzugs aus dem Gazastreifen erhofft. Bisher haben beide Seiten dabei kaum etwas erreicht.
(apa/red)
