Große Migrationswelle in der EU: Bereits 100.000 Osteuropäer gingen in den Westen
- Hälfte der Migranten wanderte nach Großbritannien aus
- Unterschiedliche Einschränkungen dafür verantwortlich
Aus den neuen Mitgliedsländern der Europäischen Union (EU) sind nach einer Studie bereits mehr als 100.000 Menschen in die alten EU-Mitgliedsstaaten eingewandert. Die meisten Zuwanderer wurden nach einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Großbritannien gezählt. In den Nachbarländern der neuen Mitgliedsländer liegen die Zahlen demnach deutlich niedriger. Als Grund dafür nannte das DIW am Mittwoch in Berlin die unterschiedlichen Übergangsfristen für Arbeitnehmer aus Osteuropa.
Bei der jüngsten Erweiterungsrunde der EU im Mai 2004 waren neben Malta und Zypern insgesamt acht mittel- und osteuropäische Länder hinzugekommen. Im Rahmen von Übergangsregelungen wurde den "alten" EU-Ländern erlaubt, die so genannte Freizügigkeit für Arbeitnehmer aus den neuen Mitgliedern um bis zu sieben Jahre aufzuschieben. Davon machen die Staaten unterschiedlich Gebrauch. In Deutschland ist der Zugang zum Arbeitsmarkt erheblich stärker eingeschränkt als zum Beispiel in Großbritannien.
Die "Netto-Zuwanderung" aus Osteuropa in allen "alten" EU-Staaten bezifferte das Institut für 2004 auf 100.000 bis 150.000 Menschen. Ohne die Einschränkungen hätte die Zahl vermutlich bei 270.000 gelegen. Nach den DIW-Erhebungen wanderten allein in Großbritannien bereits mehr als 50.000 Osteuropäer ein, in Irland rund 10.000. Die unterschiedlichen Übergangsfristen hätten zu einer "erheblichen Umlenkung der Migrationsströme" von Deutschland, Österreich und Italien in die angelsächsischen Länder geführt.
(apa)
