Reiseveranstalter ging pleite: Deutsche saßen mehrere Tage in der Türkei fest
- Chaos in Antalya: Firma Interflug stellte Betrieb ein
- Rückflug erst nach langen Verhandlungen klar
Für die in der Türkei festsitzenden deutschen Urlauber hat der Hamburger Reiseveranstalter Öger-Tours Ersatzflüge bereitgestellt. Wie der Deutsche Reisebüroverband (DRV) mitteilte, kosten diese 200 Euro pro Person. Mehrere hundert Touristen saßen zum Teil seit Freitagabend in Antalya fest, nachdem der Billig-Reiseanbieter Interflug den Betrieb eingestellt hatte. Noch am Abend, gegen 23.00 Uhr, sollten Urlauber auf dem Flughafen in Stuttgart eintreffen.
Insgesamt sollen rund 1.000 Urlauber betroffen sein. Ursache des Chaos' war die Zahlungsunfähigkeit des Hamburger Reiseveranstalters Interflug. Das Unternehmen hatte am Montag Insolvenz angemeldet, wie der DRV mitteilte. Interflug selbst erklärte nur, dass der Betrieb eingestellt sei.
Interflug verbreitete eine schriftliche Erklärung, wonach der Ärger um den türkischen Charterflieger Onur Air die Firma in Bedrängnis gebracht habe. Man habe "den überwiegenden Teil unserer Gäste in den letzten vier Jahren" mit Onur Air befördert. Onur Air erklärte dagegen am Abend, es sei nicht für die finanziellen Schwierigkeiten der Interflug verantwortlich. "Tatsächlich ist Interflug bei Onur Air hoch verschuldet und hat aus diesem Grund keine Flugkontingente bei uns", hieß es.
Mehrere Länder hatten in den letzten Wochen Onur Air aus Sicherheitsgründen vorübergehend die Landerechte entzogen. Laut Interflug haben daraufhin Reisebüros Zahlungen an Interflug eingestellt oder verzögert. Außerdem habe es Probleme mit dem deutschen Luftfahrtbundesamt bei den von Interflug benannten Ersatzgesellschaften gegeben.
Chaos: Kein Rückflug organisiert
Ein Sprecher von Interflug erklärte, das Unternehmen habe eine Versicherung zur Rückführung von gestrandeten Reisenden abgeschlossen. Nach Paragraph 651 BGB sind Reiseveranstalter verpflichtet, eine solche Versicherung oder Bankbürgschaft vorzulegen. Die Urlauber müssen laut Gesetz einen so genannten Sicherungsschein ausgehändigt bekommen, der ihre Ansprüche belegt. In der Branche herrschte Verwunderung darüber, warum kein Rückflug organisiert wurde, falls Interflug tatsächlich die Versicherung abgeschlossen hat. Deshalb gab es lange Verhandlungen, ehe der Heimflug organisiert war. Wer nun einen Heimflug aus eigener Tasche zahlen muss, kann sich das Geld aus der Konkursmasse von Interflug zurückholen, oder von der Versicherung, falls tatsächlich eine besteht.
Auch das Auswärtigen Amt in Berlin hatte am Sonntag bestätigt, dass zahlreiche Urlauber vergeblich auf ihren Rückflug warteten. Mitarbeiter des Honorarkonsulats von Antalya sowie des Generalkonsulats Izmir seien an Ort und Stelle, hieß es. Viele der gestrandeten Urlauber mussten nicht am Flughafen campieren, sondern konnten in ihren Hotels bleiben, weil es für die Zimmer keine anschließenden Reservierungen mehr gab.
Unterdessen teilte das Luftfahrtbundesamt mit, dass Onur Air wieder uneingeschränkt nach Deutschland fliegen dürfe. Die Fluglinie erklärte, der Flugbetrieb werde nach und nach wieder aufgenommen. Allerdings hätten die Einschränkungen Kosten von 30 Millionen Euro verursacht. Das Unternehmen betonte, die beiden von den europäischen Behörden angeführten Fälle von Sicherheitsmängeln - eine versagende Schubumkehr und ein Triebwerksdefekt gingen nicht zu Lasten der Airline. Bei der Schubumkehr habe es sich um einen Sensorenfehler gehandelt, beim Triebwerk sei ein Gegenstand auf der Rollbahn in Amsterdam angesaugt worden. (apa/red)
