Montag, 30. Mai 2005

Mit seinen Söhnen: US-Soldaten nahmen Chef von Sunniten-Partei im Irak fest

  • Ehemaliger Geheimdienst-General ebenfalls gefasst
  • Hilla: Mindestens zehn Polizisten bei Anschlag getötet

Die irakisch-amerikanischen Razzien können die irakischen Aufständischen nicht davon abhalten, ihre blutigen Anschläge fortzusetzen. In der Stadt Hilla sprengten sich am Montag nach Polizeiangaben zwei Selbstmordattentäter in einer Menschenmenge vor dem Rathaus in die Luft und rissen mindestens 29 Polizisten mit in den Tod. Die Zahl der Verletzten wurde mit 118 angegeben. Am Sonntag waren zu Beginn der irakisch-amerikanischen "Operation Blitzschlag" dreißig Menschen bei Anschlägen getötet worden. Für politische Unruhe sorgt die Festnahme eines führenden sunnitischen Politikers durch US-Soldaten.

Staatspräsident Jalal Talabani hat die Festnahme des Vorsitzenden der Islamischen Partei, Mohsen Abdel Hamid, durch US-Soldaten scharf verurteilt. Es sei "inakzeptabel", eine "politische Persönlichkeit dieses Ranges" derart zu behandeln, hieß es in einer Erklärung des Präsidialamts am Montag in Bagdad. Hamid war am frühen Morgen von amerikanischen Soldaten in seinem Haus festgenommen worden. Ihm und seinen drei Söhnen wurden Säcke über den Kopf gestülpt, ehe sie abgeführt wurden.

Die Islamische Partei spielt als wichtigste sunnitische Organisation eine Schlüsselrolle bei den Bemühungen um Eindämmung der Gewalt. Die US-Armee wollte zu ihrem Vorgehen gegen den Politiker nicht Stellung nehmen. In einer Stellungnahme erklärte die Partei, die USA behaupteten stets, sie wünschten die Beteiligung von Sunniten am politischen Prozess.

Der Doppelanschlag in Hilla traf nach Angaben des Innenministeriums eine Versammlung von rund 500 Polizisten, die vor dem Rathaus gegen die Auflösung ihrer Sondereinheit protestierten. In einer Mitteilung der polnischen Streitkräfte hieß es, 30 Zivilpersonen seien getötet und 50 weitere verletzt worden. Die Sicherheitskräfte riegelten den Tatort in der rund 100 Kilometer südlich von Bagdad gelegenen Stadt sofort ab. Dort bot sich ein Bild des Schreckens: zerfetzte Körper, Blutlachen, Kleidungsstücke. Hilla war am 28. Februar Schauplatz des bisher schwersten Anschlags seit dem Sturz von Staatschef Saddam Hussein gewesen. Die Explosion einer Autobombe riss damals 125 Rekruten in den Tod.

In Kirkuk erlag ein hoher kurdischer Beamter den Folgen eines Mordanschlags. Auf Generalmajor Ahmed al-Barasanchi waren am Sonntagabend mehrere Schüsse abgefeuert worden. Der Ex-Polizeichef von Kirkuk leitete die Behörde für Außenbeziehungen in der kurdischen Provinz.

In einer gemeinsamen Aktion nahmen amerikanische und irakische Soldaten einen Geheimdienst-General des früheren Baath-Regimes fest, wie das US-Militär in Bagdad mitteilte. Angaben über die Identität des Mannes wurden nicht gemacht. Der Ex-General sei im Westen der irakischen Hauptstadt gefasst worden, hieß es.
(apa)

30.5.2005 14:13