Zwei Mal zu hoch gepokert: Strategische Flops von Frankreich-Präsident Chirac
- Nein der Franzosen zur EU-Verfassung ist schallende Ohrfeige für Staatschef und seine Regierung
Was als innenpolitischer Spielzug geplant war, geriet zum Eigentor auf Europa-Ebene: Frankreichs Präsident Jacques Chirac hat sich gewaltig verkalkuliert, als er die Europäische Verfassung per Referendum zur Abstimmung stellte. Das Nein der Franzosen vom Sonntag ist eine schallende Ohrfeige für Chirac und seine Regierung - dabei hatte er mit der Abstimmung die Linke über das Europa-Thema spalten und für sich einen komfortablen Sieg davontragen wollen. Es ist nicht das erste Mal, dass der Konservative mit seinen immerhin vier Jahrzehnten Erfahrung in der Politik völlig daneben liegt.
1997, zwei Jahre nach seiner Wahl zum Staatschef, löste Chirac die Nationalversammlung auf, um eine breitere Unterstützung für das Reformprogramm der Regierung von Alain Juppé zu erringen - und verlor bei den vorgezogenen Neuwahlen prompt seine Mehrheit. Die nächsten fünf Jahre musste er in einer politischen Zwangsehe mit einer Linkskoalition unter Lionel Jospin ausharren.
Doch der "Hasardeur" der französischen Politik, wie ihn die Tageszeitung "Le Monde" nannte, fiel stets auf die Füße: "Das politische Talent Chiracs" liege darin, so das Blatt, "niemals für seine Fehler zu büßen". 2002 bestätigten die Franzosen ihn triumphal im Amt. Nach Jospins sensationellem K.O. hatten sie nur noch die Wahl zwischen Chirac und dem Rechtsextremen Jean-Marie Le Pen. (apa)
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