Sonntag, 5. Juni 2005

Scharfe Töne am Parteitag der FP-Kärnten:
Strache attackiert BZÖ-Chef Haider & Strutz

  • "Würden zum Machterhalt ihre Großmutter verkaufen"
  • Rückendeckung für Kampl. Schwager Landesparteichef

Schwere Angriffe gegen Landeshauptmann Jörg Haider (B) prägten den ersten Landesparteitag der Kärntner FPÖ seit der Abspaltung des BZÖ am Sonntag in Völkermarkt. Bundesparteichef Heinz-Christian Strache sagte, Haiders Vater Robert Haider "würde sich im Grab umdrehen, wenn er wüsste, was da passiert ist in den letzten Wochen und Monaten". Gleichzeitig verurteilte er die "Menschenjagd" auf Bundesrat Siegfried Kampl. Zu Kärntner FPÖ-Chefs wurden der Landtagsabgeordnete Franz Schwager und Generalsekretär Karlheinz Klement gewählt. Haider und BZÖ-Landesobmann Martin Strutz würden "ihre Großmutter verkaufen", um ihre Macht zu erhalten, behauptete Strache.

Haider sei "sich selbst untreu" geworden und hätte die Wähler "verraten und verkauft". Dieser "Zerstörungsversuch" sei aber schon jetzt gescheitert. Das freiheitliche Lager habe nämlich "so viel Kraft, dass man es nicht zerstören kann". Im BZÖ würden sich heute "die Gesinnungslosen" befinden, "die schon bald die Namenlosen sein werden", sagte Strache.

"Werden die Ersten von morgen sein"
"Wir sind nicht die Letzten von gestern, sondern werden die Ersten von morgen sein", betonte der seit der BZÖ-Abspaltung als geschäftsführender Landesparteiobmann agierende Ex-Nationalratsabgeordnete Alois Huber und meinte, das "Problem Haider" werde sich von selbst lösen. Der kurzzeitige Bundesobmann Hilmar Kabas bedankte sich bei den Delegierten, dass "das Piratenstück des Versuchs, die FPÖ zu kapern, misslungen" sei. Der steirische FPÖ-Chef Leopold Schöggl sprach in Richtung Haider und dessen Anhängern von "versprengten Gesinnungsakrobaten". Der Tiroler FPÖ-Obmann Gerald Hauser meinte in Anspielung auf Haiders Eintreten für einen EU-Beitritt der Türkei, nun wisse der Wähler endlich wieder, warum er die FPÖ wählen solle.

Jubel für neuen Parteichef Schwager
Enormen Jubel gab es für den mit 92,2 Prozent zum Landesparteichef gewählten Franz Schwager, der als Einziger der 16 freiheitlichen Mandatare im Landtag nicht zum BZÖ übergetreten war. Schwager (60) ging auf seine nichtakademische Berufslaufbahn ein und meinte: Nach "Dr. Jörg Haider und Dr. Martin Strutz" würde die Partei jetzt "einen Handwerker, einen Kfz-Mechaniker als Obmann haben". Er rief dazu auf, "wieder eine Bürgerpartei zu werden". Der mit 91,1 Prozent zum geschäftsführenden Obmann gekürte Karlheinz Klement (42) wies darauf hin, dass er "schon in jungen Jahren gegen Jörg Haider opponiert" hätte.

Rückendeckung für Kampl
Für einiges Aufsehen unter den anwesenden Medienvertretern sorgte Strache mit seinem Feststellung, dass im Fall des umstrittenen Bundesrates Kampl "Menschenjagd" und "Anlassgesetzgebung" betrieben würden. Kampl hätte zwar "eine teilweise unglückliche Formulierung gewählt", aber keine Straftat oder ein Verbrechen begangen. Der Kärntner EU-Abgeordnete Andreas Mölzer schlug in die selbe Kerbe und betonte, Kampl habe nichts strafrechtlich Relevantes getan. Deshalb stünden ihm alle grundbürgerlichen Rechte zu, "auch Präsident des Bundesrates zu werden".

Oranger Konter: "FPÖ politischer Jammerverein"
In einer ersten Reaktion auf den Landesparteitag der Kärntner FPÖ bezeichnete der Landesgeschäftsführer der Freiheitlichen in Kärnten, Manfred Stromberger (B), die FPÖ am Sonntag als "politischen Jammerverein". Die Wahl der beiden Obmänner sei "ein Signal großer Schwäche.

Die Veranstaltung sei geprägt gewesen von den seit Monaten bekannten "Beschimpfungen, Hasstiraden und Untergriffen" gegen Landeshauptmann Jörg Haider (B), sagte Stromberger in einer Aussendung. Franz Schwager und Karlheinz Klement seien in ihren eigenen Gemeinden abgewählt worden bzw. hätten "schwere politische Niederlagen" einstecken müssen. Deren Wahl sei keine Ansage für die Kärntner Landespolitik.

Dem steirischen FPÖ-Obmann Leopold Schöggl prophezeite Stromberger, die Wähler würden ihn bei der Landtagswahl im Herbst "mit einem nassen Fetzen davonjagen". In Richtung von FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache meinte der Landesgeschäftsführer, dieser sei sich nicht zu schäbig dafür, den verstorbenen Vater Haiders für seinen Argumentationsnotstand zu missbrauchen: "Dieses tiefe Niveau ist wirklich entwürdigend."

(apa/red)

5.6.2005 16:17