Freitag, 3. Juni 2005

Jubel & Enttäuschung am Mount Everest: Steirer schafft Gipfelsieg, Team gescheitert

  • Gerfried Göschl solo im "Messner-Stil" erfolgreich
  • Kollege erkrankt: Oberösterreicherin bricht Versuch ab

Einmal Enttäuschung und einmal Riesenfreude für Alpinisten aus Österreich im Himalaya: Während die Oberösterreicherin Gerlinde Kaltenbrunner (34) ihre Tour über die schwierige Nordroute auf den Mount Everest wegen der Erkrankung eines Bergkameraden abbrechen musste, konnte der Steirer Gerfried Göschl (32) praktisch zur gleichen Zeit einen Gipfelsieg am Dach der Welt feiern.

Anfang April war Gerlinde Kaltenbrunner zum Mount Everest gestartet. Die Alpinistin hatte sich die wohl schwierigste Route auf den 8.850 Meter hohen Gipfel gewählt, berichtete die oberösterreichische Volkskreditbank (VKB-Bank), die die Alpinistin bei ihren Expeditionen unterstützt. Der Weg durch die Nordwand sei zum letzten Mal vor 14 Jahren erfolgreich durchklettert worden. Ohne Sauerstoffmaske sei der anspruchsvolle Aufstieg erst ein einziges Mal geschafft worden, von Frauen noch nie.

Die Dreiergruppe war bereits auf einer Höhe von rund 7.700 Metern, als der japanische Teilnehmer ein so genanntes Höhen-Hirnödem erlitt. Auf Grund des lebensgefährlichen Anfalls brach die Seilschaft die Besteigung ab und kehrte ins Basislager zurück. Acht der insgesamt 14 Achttausender hat Kaltenbrunner bereits besiegt. Wenn Gesundheit und Wetterbedingungen es erlauben, werde sie in den kommenden drei Jahren alle Achttausender bezwungen haben, so die Bank.

Solo-Sieg am Dach der Welt
Erfreulicher war das "Erlebnis Everest" für den Admonter Gerfried Göschl: Er erreichte nach Solo-Besteigung den Gipfel des höchsten Berges der Welt, musste den Gipfelsieg allerdings mit (vorübergehender) Schneeblindheit bezahlen. Einen Rekord konnte Göschl dabei verbuchen: Er ist der erste Steirer, der den höchsten Berg der Welt ohne zusätzlichen Sauerstoff erklommen hat. Der erste Steirer am Gipfel war Robert Schauer, der 1978 zur legendären Expeditionsgruppe rund um den Südtiroler Reinhold Messner und den Tiroler Peter Habeler zählte, damals freilich mit Sauerstoffflaschen. 1996 kehrte Schauer, mittlerweile ein bekannter Berg-Filmemacher, an den Everest für eine aufwändige IMAX-Produktion zurück.

Wie die "Kleine Zeitung" berichtete, hatte Göschl mit zahlreichen Problemen zu kämpfen. Der Sozialpädagoge begann seinen Aufstieg am Mittwoch um 5.00 Uhr. Ursprünglich wollte er früher starten, doch Windgeschwindigkeiten um 100 km/h verzögerten den Start. Die zwölfstündige Solo-Besteigung ohne künstlichen Sauerstoff - nach Messner-Vorbild - entwickelte sich zum Drama. Schneeblind, nur noch auf einem Auge sehend, machte er sich an einen mehrtägigen Abstieg. Für Freitag wurde er im sicheren Basislager zurück erwartet.

2.248 Menschen standen bisher auf dem Gipfel des Mount Everest. Die Erstbesteigung gelang am 29. Mai 1953 durch den Nepalesen Tenzing Norgay und den Neuseeländer Edmund Hillary. (apa/red)

3.6.2005 12:49