ÖVP-Seniorenbundchef Stefan Knafl tot: Ex-LH-Stellvertreter wurde 77 Jahre alt
- Bundeskanzler Wolfgang Schüssel ist "tief bestürzt"
- Vertreter aller Parteien geben ihrer Trauer Ausdruck
Der Obmann des ÖVP-Seniorenbunds Stefan Knafl ist heute im 78. Lebensjahr verstorben. Parteichef Wolfgang Schüssel zeigte sich in einer Aussendung "tief bestürzt". Trotz seiner offenkundigen Krankheit habe sich Knafl unermüdlich für die Senioren eingesetzt: "Stefan Knafl war in seiner Beharrlichkeit ein Vorbild auch für die jüngeren Politiker."
Der Kanzler hob hervor, dass Knafl seit über 50 Jahren eine menschliche, ehrliche und in der Sache harte politische Arbeit geleistet habe, die manchmal auch unbequem gewesen sei. Als einen seiner größten Erfolge nannte Schüssel die Gründung des Österreichischen Seniorenrates, womit erstmals eine offizielle überparteiliche Interessensvertretung aller älteren Menschen in ganz Österreich geschaffen worden sei. Weiterer Meilenstein sei das Bundes-Seniorengesetz, durch das der Seniorenrat fünfter Sozialpartner wurde.
Stefan Knafl, geboren am 27.12.1927, startete seine politische Karriere in der österreichischen Jugendbewegung. Nach weiteren Stationen als Bezirksobmann des ÖAAB, Gemeinde- und Stadtrat in St. Veit, Abgeordneter des Kärntner Landtages wurde er 1972 Mitglied der Kärntner Landesregierung und schließlich 1979 Landeshauptmann-Stellvertreter.
Nach seiner Pensionierung setzte Knafl seine politische Karriere nahtlos als Bezirksobmann des Seniorenbundes St. Veit fort. 1988 wurde er Landesobmann und 1992 schließlich Bundesobmann des Österreichischen Seniorenbundes. 1997 wurde er Präsident des Österreichischen Seniorenrates, der Dachorganisation aller großen Seniorenorganisationen in Österreich.
Trauer bei allen Parteien
Mit Trauer haben die Parlamentsparteien auf den Tod von Seniorenbund-Obmann Knafl reagiert. SP-Pensionistenchef Karl Blecha zeigte sich "zutiefst bestürzt". In einem Schreiben an den Seniorenbund bat er, die aufrichtige Anteilnahme "zu diesem schmerzlichen auch uns treffenden Verlust entgegenzunehmen". Trauer bekundeten auch Nationalratspräsident Andreas Khol, VP-Klubchef Wilhelm Molterer sowie Sozialministerin Ursula Haubner (B).
Khol, nebenberuflich stellvertretender Obmann des Seniorenbundes, würdigte, dass Knafl als ein Mann des Dialogs in Erinnerung bleiben werde, "der stets für seine Sache gekämpft, dabei aber das Gesamtwohl nie aus den Augen verloren hat". Sein Mitgefühl gelte Knafls Frau, seinen vier Kindern sowie den drei Enkelkindern.
Molterer meinte, der Verlust sei für alle ungeheuer schmerzlich: "Denn wir verlieren einen Freund, einen Wegbegleiter, ein Vorbild". ÖAAB-Chef Fritz Neugebauer schilderte den ÖAABler Knafl als "kämpferisch, aber immer auf das Ganze bedacht". Wirtschaftsbund-Vorsitzender Christoph Leitl meinte: "Die Volkspartei verliert eine herausragende Persönlichkeit."
Sozialministerin Haubner betonte, mit Knafl habe die österreichische Seniorenpolitik einen kompetenten, engagierten und konsequenten Partner verloren, der sich auch durch Herzlichkeit ausgezeichnet habe. Ihr Vorgänger Herbert Haupt (B) schätzte den verstorbenen Seniorenbund-Obmann wegen seiner Handschlagqualität.
Die Grüne Seniorensprecherin Sabine Mandak bedauerte, dass die Senioren einen engagierten Kämpfer für ihre Interessen verloren hätten. Knafls Einsatz sei weit über die Parteigrenzen hinaus gegangen. Das ÖGB-Seniorenpräsidium betonte, Knafl habe bis zuletzt für die Anliegen der älteren Generation gekämpft und trotz seiner Krankheit bewundernswerten Einsatz gezeigt.
(apa/red)
