Alle wollen jetzt den Rückzug von Kampl! BZÖ-Spitzen suchen nochmals Gespräch
- Grünen wollen eine Änderung der Geschäftsordnung
- SPÖ: Darabos fordert Schüssel erneut zum Handeln auf
·Chronologie zum Fall Siegfried Kampl
Die umstrittenen Aussagen
vom 14. April im Wortlaut
·Kampl bleibt & wird Bundesrats-Boss!
Nach "Nazi-Sager" kein Verzicht aufs Mandat
·"Verständnis" für Bleiben von Kampl
Haider nimmt Bundesrat nach Nazi-Sager in Schutz
·Kampl & Gudenus zeigen keine Reue
Umstrittene Bundesräte denken nicht an Rücktritt
Der Rücktritt vom Rücktritt des designierten Bundesratspräsidenten Siegfried Kampl hat quer durch die Fraktionen einen gehörigen Schrecken ausgelöst. Alle fünf in der Länderkammer vertretenen Parteien forderten den Kärntner Bundesrat auf, es sich doch noch einmal zu überlegen. Die BZÖ-Spitzen wollen mit Kampl noch einmal persönlich sprechen, die Grünen wegen ihm sogar extra eine Änderung der Geschäftsordnung vornehmen lassen.
Konkret trat die stellvertretende Parteichefin Eva Glawischnig dafür ein, der Länderkammer eine Art Vetorecht zu gewähren. Demnach würde zwar weiter die stärkste Fraktion im jeweiligen Landtag den Bundesratspräsidenten stellen, die Mandatare in der Länderkammer könnten sich aber aussuchen, wen sie am Liebsten als ihren Vorsitzenden hätten. So könnte auf Gesetzesweg Kampls Vorsitz, der eine "internationale Blamage der Sonderklasse" wäre, noch verhindert werden, argumentierte Glawischnig.
Der Fraktionsvorsitzender der ÖVP-Bundesräte, Ludwig Bieringer, lehnte diesen Vorstoß prompt ab. Er sei strikt gegen Anlassgesetzgebung. Bundesratsvizepräsident Jürgen Weiss (V) wiederum brachte einen eigenen Vorschlag - nämlich, dass der jeweilige Landtag etwa mit Zwei-Drittel-Mehrheit den Beschluss über den Präsidenten revidieren könnte. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) will am Dienstag nach dem Ministerrat zu der Causa sprechen.
Das gefällt der SPÖ nicht. Das Abtauchen des Kanzlers sei unerträglich, meinte Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos. Schüssel müsse seiner Verantwortung nachkommen und Bundesrat Kampl nach dessen bedenklichen historischen Aussagen ("brutale Naziverfolgung" usf.) zum Rücktritt zu bewegen.
Scheibner will mit Kampl reden
Dieser Aufgabe werden sich in nächster Zeit aber wohl eher die Bündnis-Orangen widmen. Klubchef Herbert Scheibner meinte, er werde versuchen, Kampl in einem persönlichen Gespräch zu einem Verzicht auf das Mandat und den Vorsitz in der Länderkammer zu bewegen. Bündnis-Chef Jörg Haider erklärte, dem Gurker Bürgermeister "als Freund" zu empfehlen, die verbleibende Zeit bis zum Vorsitzwechsel am 1. Juli zu nützen, sich die Entscheidung noch einmal zu überlegen. Auch will er prüfen lassen, ob sein früherer Bündnis-Kollege nach seinem Austritt aus dem BZÖ rechtlich überhaupt noch als Präsident in Frage kommt.
Eine andere Art der Problemlösung schlägt die FPÖ vor. Generalsekretär Herbert Kickl forderte die SPÖ auf, in Kärnten für Neuwahlen zu sorgen, um damit Kampl zu verhindern. Wenn die SPÖ "ihr eigenes Getöse" ernst nehme, solle sie "entschlossen zur Tat schreiten". (apa)
