Dienstag, 24. Mai 2005

911-Notruf gescheitert: Tragischer Tod eines Babys löst Debatte über VoIP aus!

  • US-Aufsichtsbehörde setzt den Anbietern eine Frist
  • Notruf muss auch über Internet immer reichbar sein

Ein tragischer Fall wirft schlechtes Licht auf die Internet-Telefonie: Eine Frau wählte vergeblich die US-Notrufnummer 911 über ihren VoIP-Anschluss, nachdem ihre kleine Tochter einen Atemstillstand erlitten hatte. Bis sie über Nachbarn die Rettungskräfte erreichte, war das Mädchen tot. Der Fall hat die Aufsichtsbehörde für die Telekommunikation (FCC) auf den Plan gerufen.

Die FCC setzte den VoIP-Anbietern nun eine Frist von 120 Tagen, um sicherzustellen, dass die 911 immer erreichbar ist. Die Notrufzentralen müssen zudem feststellen können, wo derjenige ist, der den Notruf absetzt und wie die Telefonnummer lautet, von der er anruft. "120 Tage, das sind sieben Tage mehr als meine Tochter gelebt hat, weil ich die Notrufzentrale nicht erreichen konnte", sagte die erschütterte Cheryl Waller aus Deltona in Florida.

Der FCC-Vorsitzende Kevin Martin erklärte, die Situation sei "einfach inakzeptabel". "Jeder, der 911 wählt, hat die berechtigte Erwartung, dass er oder sie mit einer Notrufzentrale verbunden wird", sagte Martin.

Notrufnetz für VoIP gefordert
Telefonate über VoIP werden in vielen Fällen über ganz normale Telefonleitungen geführt. Es ist aber auch möglich, über einen Laptop eine Verbindung aufzubauen. Dabei muss der Standort des Telefonierenden nichts mit dem seines VoIP-Anbieters zu tun haben. In den USA nutzt die Hälfte der rund 1,5 Millionen VoIP-Kunden die Netze von Kabelfirmen, die den Notruf 911 vollständig unterstützen. Die FCC-Anordnung betrifft also vor allem die Firmen, die ihren Kunden VoIP-Telefonate von einem belieben Standpunkt über das Internet anbieten. Gefordert sind dabei auch die örtlichen Telefongesellschaften, die ihr Notrufnetz für VoIP öffnen müssen. Firmen, die der FCC-Anordnung nicht Folge leisten, müssen mit der ganzen Bandbreite an Strafen rechnen, bis zur Einstellung ihres Dienstes.

Internet-Telefonate sind meist billiger als traditionelle Telefongespräche, weshalb diese Branche in letzter Zeit auch ein rasantes Wachstum hingelegt hat. In den USA gibt es unbegrenzte Telefonzeit über VoIP ab 20 Dollar im Monat. Einig ist sich die FCC darin, dass sie dieses Wachstum nicht bremsen will. Die FCC wolle den Boom beim VoIP nicht aufhalten, die Entwicklung dürfe aber nicht auf Kosten der Sicherheit gehen, sagte FCC-Kommissar Jonathan Adelstein. (apa/red)

24.5.2005 16:07