Dienstag, 24. Mai 2005

Tyrann in Unterhose

  • Die Skandal-Fotos
  • Saddams Tagebuch

Saddam Hussein, 68, wartet seit eineinhalb Jahren in einer Zelle in Bagdad auf seinen Prozess. Nun wurde er erstmals versteckt fotografiert. NEWS zeigt die Bilder.

Am Ende ist das Böse stets banal – Saddam Hussein ist der perfekte Beweis dafür: Blutige drei Jahrzehnte war er der allmächtige Despot von Bagdad, ließ (mindestens) 300.000 Menschen ermorden und tötete selbst. Jetzt sieht der grausame Diktator aus wie eine müde, gebrochene Allerweltsexistenz, gedemütigt und respektlos vorgeführt in weißem Edelripp mit seitlichem Eingriff von „Marks & Spencer“.

Die Skandalfotos – vermutlich von einem Gefängniswärter aufgenommen und über Mittelsmänner an die britische „Sun“ verkauft – zeigen einen alten, gebrochenen Mann, der umständlich seine Hose zusammenfaltet und sie ordentlich über einen roten Plastiksessel hängt. Gürtel hat das ausgewaschene Kleindungsstück keinen, den musste er abgeben – Selbstmordgefahr.

Auf einem weiteren Foto ist der Tyrann in einem weißen Kaftan zu sehen. Breitbeinig sitzt er im Gefängnishof, seine Füße sind nackt, stecken in billigen Sandalen. Er wäscht seine Hose, taucht sie in einen Bottich, spült sie ab. Nichts erinnert mehr an den krankhaften Machtmenschen, der völlig die Fähigkeit verloren hatte, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden.

Der Tagesablauf. Vor dem Einmarsch der Amerikaner im Irak besaß Saddam 77 Paläste, eine Armada von Leibwächtern, Vorkostern, Dienern, Chauffeuren und alle Luxuslimousinen dieser Welt. Seit seiner Verhaftung aus einem schäbigen Erdloch bei Tikrit im Dezember 2003 lebt er in einer spartanischen Zelle (3,6 mal 2,7 Meter) im „Camp Cropper“, einem Hochsicherheitsgefängnis nahe dem internationalen Flughafen in Bagdad.

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PLUS: Die Skandal-Fotos von Saddam

24.5.2005 17:03