Endspurt im Jackson-Prozess: Keine neuen Zeugen, beide Seiten schließen ab
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Nach 60 Verhandlungstagen sind die Zeugenaussagen im Missbrauchprozess gegen Popstar Michael Jackson beendet worden. Die Verteidigung hatte überraschend darauf verzichtet, das angebliche Opfer des Sängers und dessen Mutter noch einmal in den Zeugenstand zu rufen.
Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurde den Geschworenen im kalifornischen Santa Maria ein Polizeivideo aus dem Jahr 2003 vorgeführt. Die Aufzeichnung zeigt die Vernehmung des Jungen zu dem angeblichen Missbrauch durch Jackson. Richter Rodney Melville hatte die Jury aufgefordert, nur auf das Verhalten und die Gesten des Jungen, nicht aber auf den Inhalt der Aussage zu achten, berichtete die "Los Angeles Times".
Jacksons Anwälte hatten zuvor in Aussicht gestellt, den heute 15-jährigen Beschuldiger erneut zu befragen, falls im Gerichtssaal das Polizeivideo vorgeführt würde. Davon nahmen sie nun Abstand. Die Verteidigung hatte am Mittwoch ihren letzten Entlastungszeugen aufgerufen. Damit war das Verfahren schneller in die Endphase gegangen als Prozessbeobachter beim Auftakt Ende Jänner prophezeit hatten.
Die Staatsanwaltschaft scheiterte mit dem Antrag, den Geschworenen Aufnahmen von den Genitalien des Angeklagten zu zeigen. Die Fotos waren im Rahmen früherer Ermittlungen gegen den Sänger gemacht worden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ist darauf ein "einzigartiges Merkmal" zu erkennen. Zugleich liege eine Beschreibung dieses Merkmals durch ein Kind vor, was beweise, dass Jacksons Beziehungen zu Buben "nicht beiläufig" gewesen seien, sagte Staatsanwalt Roy Zonen am Donnerstag. Der Richter wies den Antrag ab. Der negative Eindruck, den eine solche Präsentation bei der Jury zu hinterlassen drohe, werde den Nutzen bei weitem überwiegen, erklärte er.
Die Juroren werden erst am kommenden Mittwoch wieder vor Gericht erwartet. Bereits Ende nächster Woche könnten die Schlussplädoyers gehalten werden. Danach müssen die zwölf Geschworenen über Jacksons Schicksal entscheiden. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 20 Jahre Haft.
Der 46 Jahre alte Sänger, der selbst nicht in den Zeugenstand getreten war, ist wegen sexuellen Missbrauchs eines damals 13-Jährigen im Frühjahr 2003 angeklagt. Jackson wird auch vorgeworfen, dem früheren Krebspatienten Alkohol gegeben zu haben. Der Popstar habe auch mit einigen Mitarbeitern ein Komplott geschmiedet, den Jungen und dessen Familie gegen deren Willen auf seiner Neverland-Ranch festzuhalten, heißt es in der Anklage. Jackson hat alle Vorwürfe bestritten. (apa/red)
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