Montag, 30. Mai 2005

FORMAT-Report: Die Stronach-Saga! Alles über den unglaublichen Erfolg des Clans!

  • Die Traum-Familie: Frank, Elfriede, Belinda & Andrew
  • Erfolgsrezept: "Fleiß, Hausverstand und Bodenhaftung"

Der Steirer Frank Stronach fand in Kanada mit Magna & Milliarden sein Glück. Tochter Belinda ist nun sogar Ministerin: Ein FORMAT-Report über den unglaublichen Erfolg eines Clans.

Als Frank Stronach am Montag nach fünfwöchiger Absenz in Österreich einsegelte, glänzte der Industrielle wieder einmal mit seiner legendären Kondition. Der Privatjet war kaum gelandet, da startete der 72-Jährige einen Terminmarathon, bei dem seinen Mitarbeitern in der Magna-Zentrale im niederösterreichischen Oberwaltersdorf fast schwindlig wurde.

Vorerst letztes Kapitel einer Serie von Überraschungen: Entgegen allen Erwartungen trennt sich Fußballmäzen Stronach von Günter Kronsteiner, dem Sportdirektor der Wiener Austria. Am Donnerstag wagte sich Austria-Präsident Stronach, der bisher rund 100 Millionen in den Großverein gebuttert hat, in den Hexenkessel des Praterstadions, um den Erzrivalen von Rapid in seiner Funktion als Liga-Präsident die Meisterschale zu überreichen.

Belinda Stronach wechselt Partei
Einem Überraschungscoup hatte der milliardenschwere Gründer der Magna International Inc. bereits zwei Wochen davor ausdrücklich seinen Sanktus erteilt: Tochter Belinda, bisher Parlamentsabgeordnete der Konservativen, wechselte zu den Liberalen, rettete damit die kanadische Regierung und darf seit voriger Woche in Ottawa als Ministerin für Soziales und politische Erneuerung amtieren.

Frank Stronach denkt nicht an Pension
Seine Aktivitäten belegen, dass Frank Stronach an alles denkt, nur nicht an die Pension: Drei Monate vor seinem 73. Geburtstag steht der Mann am Zenit von Macht und Einfluss. Der Autozuliefergigant des Austrokanadiers wird auch im laufenden Geschäftsjahr mit neuen Rekordergebnissen glänzen: Nach 20,65 Milliarden Umsatz und neuem Rekordgewinn von 692 Millionen, erwirtschaftet von über 81.000 Mitarbeitern in 219 Fabriken und 49 Technologiezentren in 22 Ländern rund um den Globus, sollen die Umsätze heuer noch weiter auf 22 bis 23 Milliarden Dollar zulegen.

Familie als Antriebskraft
Stronach schöpft seine Antriebskraft offenbar aus einer Familie, von der kaum einmal etwas an die Öffentlichkeit dringt, die aber mit Big Frank an der Spitze seit seinem Comeback in der alten Heimat Österreich ebenso regelmäßig für Aufsehen und fette Schlagzeilen sorgt.

Wie funktioniert der Clan?
Wie aber funktioniert dieser ungewöhnliche Clan - angeführt von der Strahlefigur Frank Stronach und seiner ebenso publicityträchtig agierenden Tochter Belinda? Woher stammt Stronachs oft belächelter Drang nach gesellschaftlicher Anerkennung? Und warum weiß niemand etwas über Ehefrau Elfriede oder Sohn Andrew?

In Umrissen bekannt ist, wie der lupenreine amerikanische Traum seinen Anfang nahm. Die Basis für den atemberaubenden Erfolg legte der heutige Magna-Milliardär als junger Franz Strohsack: Als Sohn einer Fabriksarbeiterin und eines überzeugten Kommunisten in eine ärmliche Barackensiedlung in Kleinsemmering in der steirischen Gemeinde Weiz hineingeboren, wagte sich der gelernte Werkzeugmacher schon im Alter von 21 Jahren nach Amerika.

Die Legende überliefert, dass der in Übersee bald als Frank Stronach auftretende Mann gerade einmal 300 Dollar in der Tasche hatte. Wann immer bei einem seiner Projekte Probleme auftauchen, fragt Stronach noch heute: "Ich weiß nicht, warum sich jeder Sorgen um mein Geld macht." Der Sozialdemokrat und Magna-Manager Andreas Rudas erklärt: "Reichtum ist niemandem in der Familie wichtig. Das ist nur ein angenehmer Nebeneffekt."

In Kanada verbrachte Stronach die ersten Jahre in Montreal, bevor es ihn nach Toronto verschlug, wo er heute in Aurora, 40 Kilometer nördlich, auf einem 250 Hektar großen Gelände residiert - versteckt hinter Hügeln, hat jedes der vier Familienmitglieder dort eine Riesenvilla. Dazwischen stehen Pferdeställe, das ganze Anwesen ist umgeben von einem privaten Golfplatz - eine Journalistin der konservativen "National Post" schrieb von einem "bayerischen Disneyland".

Ganz am Beginn der Stronach-Saga, vor 40 Jahren, will der Einwanderer sogar klassisch Teller gewaschen haben. Dann eröffnete er in einer Garage eine Werkzeugmacherei und heimste den ersten Auftrag von General Motors ein.

Weil er vor lauter Arbeit kaum private Kontakte knüpfte, machte sich Stronach in Sachen Familiengründung bei einem Heimatbesuch auf die Suche nach einer Frau: Er lernte 1961 bei einem Ausflug mit seinem Freund Luis Sallmutter dessen Schwester Elfriede kennen. Ihrem Vater gehörte damals die größte Tischlerei in Weiz.

Frank heiratete die um zehn Jahre jüngere Frau und erzählt im privaten Kreis noch heute, wie wichtig es ihm gewesen sei, dass seine Frau "gute Gene" hat. Das habe er gewusst, weil er die Familie schon so lange kannte.

Zurückhaltende Gattin
Freunde beschreiben Elfriede Stronach als zurückhaltend, warmherzig und sympathisch. Aus den wenigen Auftritten bei Galaevents lässt sich schließen, dass die Frau nie den Drang verspürte, an der Seite von Frank zu glänzen. Societyauftritte sind ihr, abgesehen von ein paar raren Ausnahmen, ein Gräuel.

Unterschiedliche Kinder
Total unterschiedlich entwickelt haben sich die Kinder des Paares: Da ist Tochter Belinda, 39, die schon 2001 die Spitze des Konzerns erklomm und sogar bei ihren Politikambitionen dem Vater nachgeraten ist. Und da ist der um zwei Jahre jüngere, viel introvertierter agierende Andrew, stets in Auseinandersetzungen mit seinem Vater verstrickt ("Söhne haben es nicht leicht mit erfolgreichen Vätern", sagt Vater Frank) und mittlerweile nur noch durch einen Beratervertrag an Magna gebunden. Magna-Manager Rudas: "Andy wollte schon immer seinen eigenen Weg gehen."

Der spektakuläre Sprung von Belinda Stronach in die Politik von voriger Woche wurde von Papa Frank nachdrücklich unterstützt. Denn der steinreiche Pferdezüchter musste in Kanada selbst lange um die gebührende gesellschaftliche Anerkennung kämpfen. Weil er etwa 20 Jahre um die Aufnahme in den exklusiven Ontario Jockey Club rang, versuchte er mit gigantischen Projekten zu glänzen und strebte nach politischem Einfluss. Erste Versuche, in der Politik mitzumischen, schlugen fehl: Zwei Magazine und ein lokaler Rundfunksender floppten.

Schließlich hat auch der Wechsel einer politischen Partei im Hause Stronach Tradition: Nachdem er sich 1983 im Beraterteam des Konservativen Brian Mulroney engagiert hatte, ließ sich Stronach für die Parlamentswahlen 1988 als Kandidat der Liberalen nominieren - und scheiterte.

Franks Lehre aus dem Abenteuer: Kein kanadisches Unternehmen versammelt so viele Politiker im Aufsichtsrat wie Magna - vom Konservativen Mike Harris bis zum Liberalen Ed Lumley, dessen Einfluss Stronach 1990 etwa davor bewahrte, seinen Konzern in einer Krise an die Banken zu verlieren. Die Politik und viele Expolitiker konsequent fürs Geschäft zu nutzen ist eine Strategie, die der Magna-Magnat seit Jahren - ebenso erfolgreich wie heftig kritisiert - auch in Österreich praktiziert.

In der unautorisierten Biografie "Let's be Frank" beschreibt der Buchautor Norbert Mappes-Niediek, wie der Konservative Mike Harris in Kanada zu einer Schlüsselfigur im Stronach-Clan avancierte. Nach seiner Abwahl als Chef der Provinz Ontario zog "Kettensägen-Mike" Anfang 2003 in den Magna-Vorstand ein. Er bereitete im Hintergrund die Einigung jenes konservativen Lagers vor, mit dem sich Belinda Anfang 2004 profilierte, aber später trotzdem nicht die Wahl zur Parteichefin schaffte. Autor Mappes-Niediek: "Wer es auf der politischen Bühne zum Hauptdarsteller gebracht hat, tritt im Hause Stronach höchstens im Vorprogramm auf."

Den Ausflug seiner Tochter Belinda, die ziemlich gut Deutsch spricht, "Österreich als meine zweite Heimat" bezeichnet und sich "halb als Kanadierin und halb als Österreicherin" fühlt, kann sich Vater Frank locker leisten, weil er mit Siegfried Wolf einen idealen Magna-Chef gefunden hat, dem er voll vertraut.

Wie Stronach ein gelernter Steirer Werkzeugmacher, zählen auch für den 47-jährigen ehemaligen Bauernbub aus Merkendorf, seit Jahren Österreichs bestverdienender Manager, einfache Werte: "Fleiß, gesunder Hausverstand, Bodenhaftung".

Was Frank Stronach trotz all seines Geldes verwehrt blieb, gelang nun Tochter Belinda: Sie schaffte es in der kanadischen Politik ganz nach oben - und verlässt damit zum ersten Mal die unmittelbare Einflusssphäre ihres Vaters.

Die ganze Story lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von FORMAT!

30.5.2005 10:33