Freitag, 27. Mai 2005

FORMAT über Wiens Chinatown: Chinesen wollen in Donaucity Techno-Tower errichten

  • Österreich als Partner bei Europa-Eroberungsfeldzug
  • Noch sind einige politische Hürden zu überwinden

Auf dem Schreibtisch von Infrastrukturminister Hubert Gorbach liegt ein 142 Seiten starkes Dossier. Unter dem Titel "China Austria Technology Park" (CATP) listet die mit März 2005 datierte Machbarkeitsstudie penibel die Vorteile Österreichs als Standort für ein chinesisches Großprojekt auf.

Herzstück des Technologieparks, den China gemeinsam mit Österreich realisieren will, ist ein Büroturm, den umtriebige Funktionäre aus der rasant wachsenden Volkswirtschaft als Zentrum für wirtschaftliche und technologische Kooperationen in Mittel- und Osteuropa nutzen wollen. Gorbach und Wiens Bürgermeister Michael Häupl träumen schon von einer Silicon Rallye - mitten in Wien.

Eine verlockende Vision: Österreich als Partner beim Eroberungsfeldzug der Chinesen quer durch Europa. Statt nach Shanghai und Peking verlorene Arbeitsplätze ein China-Tower, von dem die heimische Wirtschaft profitiert - so etwas lässt sich politisch gut ausschlachten.

Die Studienautoren - TU-Professor Wolfgang Blaas, das Vienna Institute for International Economic Studies, das Tech Gate Vienna und die Wirtschaftsprüfungskanzlei TPA Horwath - befassen sich dementsprechend schon mit konkreten Details der Planung. Auf einer Grundfläche von 5.000 Quadratmetern sollen 12.000 Quadratmeter Büros und auf 1.000 Quadratmetern Restaurants und Cafés entstehen. Der Komplex soll laut Studie "in erster Linie chinesische Unternehmen und österreichisch-chinesische Joint Ventures auf dem Technologiesektor beherbergen". Für deren Mitarbeiter und Geschäftspartner sind 180 Apartments auf 8.100 Quadratmetern veranschlagt und 220 Hotelzimmer auf 5.500 Quadratmetern. Rund hundert vor allem kleinere und mittlere Unternehmen aus China sollen sich ansiedeln, so das Vorhaben, darunter der Technologiekonzern Huawei und die Autozulieferer FAW und Chery Automobile.

Vier Standorte in der engeren Auswahl
Vier Standorte stehen in der engeren Wahl: in Erdberg, in der Muthgasse, in Kagran - und mitten in der Donaucity, auf der so genannten Platte. Letzterer ist der erklärte Favorit, vor allem weil die Investoren aus dem Fernen Osten diese Location präferieren.

77,7 Millionen Euro würde der geplante Technologiepark kosten. 22,5 Millionen Euro Eigenkapital sollen die Chinesen beisteuern, die restlichen 55 Millionen sollen über Kredite finanziert werden. Die Haftung dafür soll die Volksrepublik übernehmen. Im Gegenzug würde die Stadt Wien das benötigte Grundstück beisteuern. Darüber hinaus werden unter bestimmten Voraussetzungen elf Millionen Euro Darlehen aus Mitteln des heimischen ERP-Fonds in Aussicht gestellt. Finanzieren soll sich der China-Tower aus Mieteinnahmen.

77,7 Millionen Euro kostet Technologiepark
Insgesamt ein spektakuläres Projekt. Allerdings ist in der bisherigen Planung vor allem das reine Immobilienprojekt ausgearbeitet. Was in dem Komplex genau passieren soll, liegt noch etwas im Dunkeln. Fest steht: Das Vorhaben passt gut in die so genannte "Going-out"-Strategie der Chinesen - einem Teil des asiatischen Masterplans, um zur Weltwirtschaftsmacht Nummer eins zu werden.

Was die chinesischen Unternehmen in Wien genau planen, lesen Sie im aktuellen FORMAT!

27.5.2005 09:15