Freitag, 27. Mai 2005

Deutsche AgfaPhoto meldet Konkurs an: Auch Österreich zittert vor Stellenabbau

  • Rund 1.800 Mitarbeiter könnten ihre Jobs verlieren
  • Auswirkungen auf Österreich-Tochter noch offen

Die traditionsreiche Fotosparte des deutsch-belgischen Agfa-Konzern droht das Aus. Nur sieben Monate nach der Abspaltung vom Mutterkonzern Agfa-Gaevert hat der seither selbstständige Bildspezialist AgfaPhoto GmbH wegen Zahlungsunfähigkeit den Konkursantrag gestellt. Ein Amtsgericht in Deutschland eröffnete das vorläufige Insolvenzverfahren, wie ein Gerichtssprecher mitteilte. Der bereits bestellte Insolvenzverwalter soll nun über die Fortführung des Unternehmens entscheiden.

Von der Pleite sind in Deutschland 1.800 Beschäftigte betroffen. Die Belegschaft hat laut Unternehmen bereits eine erste Information der Geschäftsführung am Donnerstagabend per Intranet erhalten. Weltweit beschäftigt AgfaPhoto 2.400 Mitarbeiter - 18 davon in Österreich, die Auswirkungen auf sie sind laut dem Chef der Österreich-Tochter, Josef Cihelna, noch unklar. Die Bindung zur deutschen Mutter sei "sehr eng".

Während die Österreich-Tochter eine reine Vertriebsgesellschaft ist, ist in Deutschland von der Insolvenz auch eine größere Produktion betroffen. An fünf Standorten produziert die AgfaPhoto GmbH Filme, Fotopapier, Fotochemikalien und Laborgeräte. Die Agfa-Fotosparte, die auf eine 130-jährige Unternehmensgeschichte zurückblickt, hat massive Konkurrenz unter anderem durch Eastman Kodak und Fuji Photo Film zu spüren bekommen. Zusätzlich hatte vor allem die Digitalfotografie das Unternehmen unter Druck gebracht und seit dem Vorjahr in die Verlustzone gedrängt. Der Spartenumsatz war um fast ein Fünftel auf rund 700 Mio. Euro eingebrochen.

Der belgische Agfa-Gevaert-Konzern hatte den Foto-Bereich deshalb erst im November 2004 für 175,5 Mio. Euro an eine Gruppe deutscher und amerikanischer Investoren verkauft und sich damit komplett von der Foto-Sparte getrennt. Agfa-Gevaert konzentriere sich seither auf die Sparten grafische Systeme für die Druckindustrie und Medizintechnik und ist in Österreich laut KSV noch mit knapp 140 Mitarbeitern vertreten.

Der frühere Mutterkonzern bedauerte am Freitag die Entwicklung seiner ausgegliederten Sparte und erklärte, man hoffe, dass die gegenwärtigen Schwierigkeiten bewältigt werden könnten. Die Unterstützung für AgfaPhoto im Vertrieb, der Auftragsbearbeitung und im Service werde werde vereinbarungsgemäß noch bis Ende dieses Jahres fortgesetzt. Man werde in jedem Fall mit dem Insolvenzverwalter zusammenarbeiten, hieß es in einer Stellungnahme des Konzerns.

Die heutige AgfaPhoto GmbH mit Hauptsitz im deutschen Leverkusen gehört heute Finanzinvestoren und Managern. Mehrheitseigentümer der AgfaPhoto GmbH wurde mit 55 Prozent die Nanno Beteiligungsholding um den Geschäftsmann Hartmut Emans, 25 Prozent halten Manager und den Rest US-Finanzinvestoren. Für sie sei die negative Entwicklung des Unternehmens so nicht absehbar gewesen, beteuerten die neuen Eigentümer.

Österreich-Chef Cihelna will jetzt "mit den Anwälten sprechen und sehen, was zu machen ist". Wenn das Konzept in Deutschland nicht aufgehe, werde es aber auch in Österreich schwer werden, sagte er auf Anfrage der APA. (apa/red)

27.5.2005 14:43