Dienstag, 24. Mai 2005

Schlechte Ausssichten für Österreichs Wirtschaft: BIP-Prognose erneut gesenkt

  • 2004 nur noch Wirtschaftswachstum von 1,9 % erwartet
  • OECD rät: Weitere Einsparungen bei Staatsausgaben

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat die Prognosen für das Wirtschaftswachstum Österreichs zurück genommen. Die OECD geht von einem BIP-Wachstum von 1,9 Prozent für 2005 und von 2,3 Prozent für 2006 aus. Im November hatte sie ein Plus von 2,3 Prozent für heuer und von 2,6 Prozent für 2006 prognostiziert. Auch weltweit wird die Wirtschaft weniger rasch wachsen.

Österreichs Wirtschaft wächst den OECD-Prognosen zufolge heuer mit 1,9 Prozent sogar geringer als im Vorjahr mit 2,0 Prozent. Die durch Neuverschuldung finanzierten Steuersenkungen hätten zwar die Binnennachfrage stimuliert, die positiven Effekte seien aber durch ein langsameres Wachstum der Exporte kompensiert worden.

OECD mahnt Österreich zu weiteren Sparmaßnahmen
Das Budgetdefizit werde sich heuer wegen der Einkommens- und Unternehmenssteuererleichterungen sowie höherer Ausgaben für Kinderbetreuungsgeld beträchtlich ausweiten. Die OECD mahnt Österreich daher erneut zu weiteren Sparmaßnahmen. Die Pensionsharmonisierung werde sich zwar nachhaltig positiv auf die Staatsfinanzen auswirken, dennoch seien weitere Kürzungen auf der Ausgabenseite nötig, um die Auswirkungen der Steuersenkungen auf das Defizit zu kompensieren.

In ihrem jüngsten Bericht geht die OECD von einem Budgetdefizit von 2,0 Prozent für 2005 und von 1,9 Prozent für 2006 aus. Zuletzt lagen die Erwartungen noch pessimistischer bei jeweils 2,1 Prozent.

Arbeitslosigkeit könnte 2006 geringfügig zurückgehen
2006 dürfte sich die Konjunktur unter dem positiven Einfluss der erwarteten Leitzinssenkung und der Erholung des Welthandels beschleunigen, so dass die Arbeitslosigkeit geringfügig zurückgehen könnte. Die OECD geht von einer Arbeitslosenrate von 5,5 Prozent im Jahr 2006 aus, nach 5,6 Prozent 2005.

Auch Wachstumsprognosen für Weltwirtschaft gesenkt
Zum zweiten Mal in Folge senkte die OECD ihre Wachstumsprognosen für fast alle Weltregionen. So werde die Wirtschaft aller OECD- Staaten 2005 nur um 2,6 (statt 2,9) Prozent expandieren. Im kommenden Jahr sei nur mit einem Anstieg auf 2,8 (statt 3,1) Prozent zu rechnen.

Die OECD-Prognose für 2005 und 2006 in Zahlen
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) hat unter anderem folgende Prognosezahlen zu BIP-Wachstum, Inflation und Arbeitslosenquote für 2005 und 2006 veröffentlicht. Angaben für 2004 zum Vergleich.

Wirtschaftswachstum (Anstieg in %, BIP real)
200420052006
USA4,43,63,3
Japan2,61,51,7
Deutschland1,01,21,8
Österreich2,01,92,3
Euro-Zone1,81,22,0
OECD insgesamt3,42,62,8

Inflation in Prozent
200420052006
USA2,12,42,2
Japan-1,2-0,90,0
Deutschland0,70,40,9
Österreich1,92,21,7
Euro-Zone1,91,51,7
OECD insgesamt2,01,91,9

Arbeitslosenquote in Prozent
200420052006
USA5,55,14,8
Japan4,74,44,1
Deutschland9,39,69,1
Österreich5,65,65,5
Euro-Zone8,99,08,7
OECD insgesamt6,76,76,4

(apa/red)

24.5.2005 11:10