Sonntag, 29. Mai 2005

Krieg im Hause Schumacher: "Er kann sich
von Michael nicht alles gefallen lassen"

  • Auch die Frau von Ralf schaltete sich in den Zwist ein
  • Grund: Harakiri-Manöver des Weltmeisters vor dem Ziel

Krieg im Hause Schumacher: Weil Michael Schumacher seinen Bruder in Monaco nach der Ziellinie waghalsig rasieren wollte, schäumte Ralf über: „Michael hat sie nicht alle. Ich habe das Gefühl, er schaltet manchmal sein Gehirn ab. Das war lebensgefährlich.“ Der wiederum beruhigt: „Ich bin Vollblut-Rennfahrer. Da gehören solche Situationen dazu.“ Dann meldet sich auch die Frau von Klein-Schumi zu Wort.

Die Hobby-Rennfahrerin gab ihrem Ralf Recht: "Er kann sich von Michael ja nicht alles gefallen lassen. Das Risiko, das er eingegangen ist, war unnötig. Hinter der Ziellinie kann man keine Punkte mehr holen. Ralfs Ärger hat ja nichts damit zu tun, daß Michael sein Bruder ist. Über so eine Aktion hätte er sich auch bei jedem anderen Fahrer aufgeregt. Weil es unnötig und gefährlich war.“

Ralf empört über eigenen Bruder
Ralf bekam nach dem Harakiri-Manöver seines eigen Fleisch und Blutes nicht nur einen dicken Hals sondern auch einen Wutanfall und schimpfte auf seinen Bruder. „Das war gefährlich, was er da gemacht hat. Aber ich will darüber nicht diskutieren, weil einsehen tut er es ja nie.“

Der Beschuldigte vermied in einer ersten Stellungnahme einen allzu scharfen Konter: "Ich weiß nicht, ob ich darauf antworten muss. Wir fahren Rennen und keine Kaffeefahrten. Ich glaube, ich war sechs Hundertstel hinter Ralf. Das ist bei weitem nicht viel, also war die Attacke gerechtfertigt. Man muss sich ja nur die Ergebnisse anschauen. Ich bin ein Vollblutrennfahrer. Dazu gehören auch solche Situationen", rechtfertigte sich der siebenfache Weltmeister.

"Manchmal schaltet Michael sein Gehirn nicht ein"
Ralf Schumacher konnte es aber nicht lassen, und stichelte unmittelbar nach dem Grand Prix weiter: "Ich weiß, dass das keine Kaffeefahrt ist, aber in dieser Situation überholt keiner mehr. Ein Millimeter mehr und einer von uns ist tot! Manchmal schaltet Michael sein Gehirn nicht ein. Er denkt immer, jeder würde für ihn Platz machen. Das ist aber nicht der Fall."

Zwischen den beiden Schumachers ist es schon mehrfach zu Zwischenfällen auf der Rennstrecke gekommen - erstmals ausgerechnet auf dem Nürburgring, als Ralfs Jordan auf Michaels Ferrari landete und damit wohl ungewollt die Vorentscheidung in der Weltmeisterschaft 1997 herbeiführte. Damals kam es nicht zu einem Bruderkrieg. Auch nach diversen weiteren Zwischenfällen renkte sich das brüderliche Verhältnis immer wieder ein, doch diesmal könnte das Maß überlaufen.

Der einstige Formel-1-Herrscher sieht sich neben den verbalen Schlägen seines wütenden Bruders Ralf auch dem offenbar rebellierenden Teamkollegen Rubens Barrichello ausgesetzt. "Rubens erhebt die Stimme gegen Michael", titelte "Il Tirreno", nachdem auch der Brasilianer eine Schumacher-Attacke kritisiert hatte. Für die italienische Zeitung "La Padania" steht fest: "Die Roten - ein einziges Chaos."

(apa/red)

29.5.2005 16:54
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