Mittwoch, 25. Mai 2005

Nach dem bitteren Erstrunden-Out: Zwei Tennis-Champs vor dem endgültigen Aus

  • Zahn der Zeit nagt an Andre Agassi und Gustafo Kuerten
  • US-Amerikaner ist der älteste Spieler auf der ATP-Tour

Es war ein Bild des Jammers, als die gescheiterten Champions Paris vielleicht für immer verließen. Andre Agassi vergrub das schmerzverzerrte Gesicht in seinem Handtuch, weil ihn ein entzündeter Ischias-Nerv peinigte. Gustavo Kuerten schlich mit leerem Blick vom Platz. Nach seiner zweiten Hüftoperation im September vergangenen Jahres war der dreifache French-Open-Sieger nur noch im Kopf bereit für sein Lieblingsturnier. Der Körper spielte nicht mit.

"Die Qualen der Stars" (France Soir), "Das Ende von Agassi" (L'Equipe) und "Andre Agassi von den Grenzen des Alters eingeholt" (Le Figaro) titelten die französischen Zeitungen am Mittwoch, nachdem der Amerikaner zum zweiten Mal in Folge in Roland Garros in der ersten Runde an einem Qualifikanten gescheitert war.

Agassi ältester Spieler auf der Tour
In dem quälenden Fünf-Satz-Match gegen den Finnen Jarkko Nieminen (5:7,6:4,7:6,1:6,0:6), an dessen Ende er trotz Schmerztabletten kaum mehr gehen, stehen oder sitzen konnte, muss er jedes seiner 35 Lebensjahre gespürt haben. Aber der Grand-Slam-Rekordhalter (58 Turniere seit 1986) hat noch nie ein großes Match aufgegeben und in der Stadt, in der er 1999 als fünfter Tennis-Profi nach Don Budge, Rod Laver, Fred Perry und Roy Emerson seine Grand-Slam-Sammlung komplettierte, tat er es erst recht nicht.

Für Mats Wilander zeigte sich darin die Klasse des achtfachen Grand-Slam-Siegers. "Andre will immer gewinnen. Aber er will vor allem den Platz immer mit Würde verlassen", sagte der dreifache French-Open-Sieger (1982, 1985, 1988). Wilander ist einer der wenigen, die an Agassis Rückkehr an die Seine glauben. "Das war nicht der Abgang von einem, der Abschied nimmt", meinte der Schwede.

Agassi will noch diese Saison durchhalten
Agassi vertraut auf die Wunder der Medizin, damit er zumindest die Saison noch zu Ende spielen kann. "Ich bin wohl an dem Punkt, wo ich ohne diese Dinge nicht mehr auskomme", bekannte er. Anfang des Jahres ließ er sich eine Kortison-Spritze in den Rücken geben. Diese Tortur will er nun wieder über sich ergehen lassen. "Ich habe die Absicht, in Wimbledon zu spielen", sagte Agassi und beteuerte einmal mehr, dass es keinen Plan für sein Karriereende gibt.

Auch für Gustavo Kuerten wird die Stadt der Liebe immer ein magischer Ort bleiben. Der Publikumsliebling hat 1997, 2000 und 2001 die French Open gewonnen und beim dritten Sieg mit seinem Schläger Herzen in den roten Sand gemalt. Die Pariser vergöttern ihren "Guga" deswegen noch immer. Doch obwohl sieben Jahre jünger als Agassi, forderte auch Kuertens geschundener Körper bei der 3:6,0:6,6:4,1:6-Niederlage gegen den Spanier David Ferrer seinen Tribut. In der ersten Runde hatte der Brasilianer zuvor nur bei seinem Debüt in Paris 1996 verloren. Und so ließ er offen, ob es ein Wiedersehen geben wird: "Ich werde in sechs Monaten entscheiden, ob ich meine Karriere fortsetze."
(apa/red)

25.5.2005 14:24